Heilpraktikerschule Josef Angerer
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Wir danken allen Ausstellern und Besuchern ganz herzlich
für Ihre Teilnahme an unserer 88. Herbsttagung 2019
und freuen uns auf ein Wiedersehen auf einer unserer nächsten Tagungen.
 

Unsere Tagungen


Die Münchner Tagungen für Naturheilkunde sind die ältesten und traditionsreichsten Veranstaltungen für Naturheilkunde, alternative und komplementäre Medizin. Sie sind Anziehungspunkt für Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker aus ganz Deutschland und naturheilkundliche Therapeuten der europäischen Nachbarländer.
Unser Konzept „Klasse statt Masse“ hat sich bestens bewährt und ist zum Markenzeichen einer qualitätsorientierten Fachtagung geworden:

  • Praxisorientierte Workshops mit begrenzter Teilnehmerzahl, um intensives und individuelles Training zu gewährleisten
  • Hochkarätige Fachvorträge, die das jeweilige Tagungsthema unter verschiedenen Aspekten betrachten und damit eine differenzierte Betrachtungsweise erschließen
  • Keine Parallelvorträge, so dass alle Angebote wahrgenommen werden können
  • Persönlicher Erfahrungsaustausch unter Kolleginnen und Kollegen

Begleitet werden unsere Tagungen von einer großen Ausstellung der biologisch-pharmazeutischen Industrie und medizintechnischen Hersteller. An deren Ständen können sich die Teilnehmer zu Arzneimitteln und Medizinprodukten fachlich beraten lassen sowie altbewährte und neue Medikationen kennenlernen.

Bericht zur 88. Tagung für Naturheilkunde in München vom 15.-17.11.2019

„Der Alterungsprozess – was lässt uns altern, was können wir tun?“

Das diesjährige Tagungsthema griff eines der wichtigsten und brisantesten gesundheitspolitischen Themen unserer Zeit auf: den Alterungsprozess. Deutschland zählt weltweit zu den Ländern, welche der demographische Wandel am stärksten trifft. Dieser Wandel wirkt sich auf die öffentliche Gesundheit aus und die altersbedingten Erkrankungen und Einschränkungen stellen zunehmend eine Belastung für das Gesundheitswesen dar.

Zu diesem aktuellen Thema fanden am Freitag acht Workshops in den Räumen der Berufsfachschule „Josef Angerer“ statt, welche praxisbezogen neues Wissen und Therapien vermitteln. In zwei Workshops wurden manuelle Techniken vorgestellt: „Spezifisch osteopathische Geriatrie“ und „Umgang mit der Osteoporose in der manuellen Therapie“.
Die Workshops „Signaturen in der TEM unter Berücksichtigung des Alterungsprozesses“ und „Die Lebensrhythmik im Alter“ vermittelten bewährte Diagnose- und Therapiekonzepte aus der traditionellen abendländischen Naturheilkunde und wurden ergänzt durch den Workshop aus der chinesischen Medizin: „Jing- die gesunderhaltende Kraft in der TCM.“ „Aus der Praxis für die Praxis“ sprach Herr Uwe Sieber, ehem. Vorstand des Heilpraktikerverband Bayern e.V., zum Thema: „Silver Ager – oder altes Eisen? Naturheilkundliche Konzepte für den Alterungsprozess.“
Abends fanden die Workshops „ Durchblutung ist alles – aber ohne Durchblutung ist alles nichts!“ und „Sicherer Umgang mit dem GebüH“ - gehalten von Herrn Ingo Kuhlmann, 2. Vizepräsident des Fachverband Deutscher Heilpraktiker e.V. und wie immer gut besucht – statt.

Die große offizielle Eröffnungsveranstaltung zur Tagung im „Hilton München Park“ fand am Samstag Morgen in vollem Saal mit musikalischer Umrahmung des Duos LauSchRausch statt. Die berufspolitische Rede des Vorstandes (siehe unten) fand großen Anklang und es folgte – sehr zu unserer Freude - zum ersten Mal eine Video-Grußbotschaft der bayrischen Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Die Grußworte und Reaktionen der geladenen Vertreter der Stadt München und der bayrischen Gesundheitspolitik bezeugten die Anerkennung der Naturheilkunde als wichtige, tief verwurzelte Säule in der Gesundheitsversorgung und den intensiven Austausch mit dem Vorstand des Heilpraktikerverband Bayern e.V. in berufspolitischen Fragen. Abgerundet wurde die Eröffnung durch ein kurzes berufspolitisches Statement der Präsidentin des Fachverband Deutscher Heilpraktiker e.V., Frau Ursula Hilpert-Mühlig in dem bundespolitische Themen aufgegriffen wurden.









v.l.n.r. Ruth Nowak Amtschefin StMGP, Maria Thalhammer-Bauer, MdL Christina Haubrich Fraktion B90/Die Grünen, MdL Bernhard Seidenath Fraktion CSU, MdL Florian Streibl Fraktion FW, MdL Ruth Waldmann Fraktion SPD, Wolfgang Hegge, Dr. Reinhold Babor Stadtrat LH München


 
Im Anschluss an die Eröffnung wurden die Ehrengäste zum traditionellen Empfang geladen, während die Vorträge im großen Vortragssaal begannen.

Der erste Vortrag – von Dr. med. Markus Treichler aus Filderstadt– bot ein tieferes Verständnis des Tagungsthema aus Sicht der anthroposophischen Medizin: „Das Alter – Würde oder Bürde, Schicksal oder Chance?“. Es folgte der spannende Vortrag „Alter(n) als Geschenk“ von Rüdiger Dahlke aus Österreich, der auch die momentane Politik der Verleumdung des Alters provokant in Frage stellte.
Der Vortrag nach der Mittagspause „Der individuelle und multifaktorielle Altersprozess“ zeigte die vielen Faktoren des Alterns praxisnah. Die aktuelle medizinische Forschung zum Thema Altern wurde im Vortrag: „Altern, Lebensstil und Hormone“ dargestellt. Der naturheilkundliche Vortrag: „ Die Haare werden grau – der Darm auch?“ zeigte die immens wichtige Rolle des Darmes bis ins hohe Alter auf.

Der Sonntag begann mit einem Vortrag aus dem Gebiet der Psychosomatik „Was der Schlaf für uns tut und was wir für ihn tun können“. Es folgte die Ehrung unserer Jubilare durch die beiden Vorstände, eine wunderbare Gelegenheit „altgedienten“ Kollegen für ihre Arbeit zu danken. Die Tagung klang dann aus mit den Vorträgen „Anti-Aging durch Zellvitalisierung“  und „90 ist das neue 60“, welche gut anwendbare Diagnose – und Therapieansätze mitgeben konnten.

Die begleitende Ausstellung der pharmazeutischen Industrie – ein unentbehrlicher Teil des Kongresses – wurde von den Kolleginnen und Kollegen intensiv besucht und trug sehr zum großartigen Erfolg der Veranstaltung bei.

Unser Resümée der diesjährigen Herbsttagung: neben den vielen lehrreichen und interessanten Vorträgen und Workshops fanden viele fruchtbare Begegnungen zwischen den Gästen aus Bayern, aber auch aus ganz Deutschland und angrenzenden Ländern, sowie mit den Vertretern der naturheilkundlichen Pharmazie statt, sodass die 88. Tagung für Naturheilkunde wieder zu einem gelungenen Höhepunkt im Verbandsjahr 2019 wurde.

Wir freuen uns bereits auf die Frühjahrstagung am 24./25. April 2020 mit dem Thema: „Liebe & Sexualität – sexuelle Themen in Anamnese und Therapie.“, bitte merken Sie sich den Termin schon vor.

Dorothea Schwierskott


Eröffnungsansprache des 1.Vorsitzenden des Heilpraktikerverband Bayern
zur 88. Tagung für Naturheilkunde 2019 in München



Die Eröffnung unserer Tagung ist in jedem Jahr ein berufspolitisches Ereignis zu welchem wir Vertreter des bayrischen Gesundheitsministeriums und Gesundheitspolitiker der Landtagsfraktionen begrüßen. Zur Beginn der Eröffnung richtete sich der 1. Vorsitzende des Heilpraktikerverband Bayern, Wolfgang Hegge, mit seiner Ansprache an die zahlreich geladenen Gäste.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Mit dem diesjährigen Tagungsthema - Der Alterungsprozess - was lässt uns altern? Was können wir tun? - stellen wir eines der wichtigen gesundheitspolitischen Themen in den Mittelpunkt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stellte bereits 2013 die Altersgruppe ab 65 Jahren einen Anteil von 20% in Deutschland, mit prognostisch steigender Tendenz. Bereits heute leben hier in Bayern von dieser Altersgruppe über 2,6 Millionen Menschen und es ist zu erwarten, dass sich die Zahl in wenigen Jahren auf mehr als 3,6 Millionen vergrößert. Eine Entwicklung, die das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen stellt. Denn mit zunehmendem Alter, werden die Menschen individueller und unterscheiden sich stärker voneinander sowohl auf der körperlich – seelischen, als auch auf der kognitiven Ebene. Multimorbidität, Polypharmazie oder altersassoziierter Veränderungen zeigen den evidenzbasierten Therapiekonzepten und der Leitlinien - Medizin ihre Grenzen auf. Dies verdeutlicht nicht zuletzt eine Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina aus dem Jahr 2015 zu dem Thema: Medizinischen Versorgung im Alter – Welche Evidenz brauchen wir? Ich darf zitieren: „Evidenzbasierte Therapiekonzepte sind in der Regel auf die Behandlung oder Symptomverbesserung bzw. positive Beeinflussung einer einzelnen, klar abgrenzbaren Erkrankung ausgerichtet. Sie berücksichtigen weder Mehrfacherkrankung noch altersassoziierte Veränderungen oder die Bedeutung der Aufrechterhaltung alltäglicher Funktionen sowie die besondere Wichtigkeit der Lebensqualität und Autonomie.“ Wissenschaftliche Studien werden zudem meist mit einer ganz anderen Altersgruppe vorgenommen und randomisierte Doppelblindstudien mögen zwar eine allgemeine Aussage treffen können, über mess- und reproduzierbare Wirkungen einzelner Methoden, aber sie erfassen und betrachten nicht den Menschen in seiner Gesamtheit, seinem biographischen Zusammenhang und seiner individuellen Lebenssituation. Denn das was der Mensch fühlt und denkt lässt sich nicht auf der Ebene der Naturwissenschaft beschreiben und einfangen, weil Geist und Seele des Menschen nicht auf streng kausaldeterminierte Gesetze rückgeführt werden können. Der Mensch ist immer mehr, als naturwissenschaftlich über ihn ausgesagt werden kann und die Behandlung von Erkrankungen nicht als ausschließlich messbares Produkt einer Anwendung von standardisierten Methoden bewertet werden kann.

Die notwendige, ganzheitliche Betrachtung des Menschen und seiner individuellen Krankheitssituation ist seit jeher in den naturheilkundlichen Medizinsystemen der östlichen und westlichen Heilkunde verankert. Es sind die zentralen Aspekte naturheilkundlichen Denkens und therapeutischen Handelns. Die gegenwärtige Berichterstattung über naturheilkundliche Therapiemethoden und unseren Berufsstand erfordert meines Erachtens, nochmals klar darauf hinzuweisen, dass die Naturheilkunde und ihr breites Spektrum diagnostischer und therapeutischer Verfahren einen seit Jahrtausenden bewährten Wissens – und Erfahrungsschatz umfasst und sie ihre Wirksamkeit seit Hunderten von Jahren, zwar nicht in Doppelblindstudien, wohl aber in der Behandlung kranker und hilfesuchender Menschen beweist. Bereits im Jahr 2010 gaben mit über 70% der Menschen, also der Großteil der Bevölkerung – an, naturheilkundliche Methoden in Anspruch genommen zu haben. Ist es nicht befremdlich, dass eine solche Heilkunst einen Beweis antreten muss, dass ihre organisierten Kritiker, mangels evidenzbasierten Wissenschaftlichkeitsnachweisen fehlende Wirksamkeit unterstellten? Dass in Fernsehtalkshows wie der Sendung mit Frau Maischberger vom 10.04.2019, die den Titel trug - Misstrauen gegen Schulmedizin: Weiße Kittel, nein danke? - es anstatt über mögliche Gründe hierfür zu diskutieren, die Naturheilkunde und unser Berufstand in völlig undifferenzierter Art und Weise in Frage gestellt wird? Aussagen wie von dem geladenen Mediziner und ausgewiesenen Gesundheitsexperten mit roter Fliege: Zitat: „Ich sehe nicht, wo Heilpraktiker die Versorgung der Patienten in Deutschland verbessern." „Wir müssen den Patienten helfen, die Märchen der Heilpraktiker zu durchschauen“, verfehlen nicht nur das Thema der Sendung, sondern sind auch einer konstruktiven Debatte nicht wirklich dienlich. Oder weiter - wie kürzlich im öffentlich- rechtlichen Fernsehen in der Berichterstattung der Sendung Panorama ein Leiter des Gesundheitsamtes Berlin/Reinickendorf gar die Abschaffung des Heilpraktiker – Berufs fordert und ihm Sendezeit gegeben wurde für Aussagen wie: „Die saubere Lösung wäre nicht, dass wir das Heilpraktikergesetz abschaffen, sondern den Heilpraktiker abschaffen“. Vorenthalten möchte ich Ihnen auch nicht seine weiteren Aussagen wie: „Es ist ein Beruf, für den es keine Berechtigung gibt“ „Heilen können andere Berufe – und dort wo sie es nicht können, können es auch Heilpraktiker nicht.“ „Wer ist gefährdet durch die Heilpraktiker- letztlich alle Patienten die hingehen.“ „Wer profitiert vom Heilpraktiker – streng genommen niemand.“ Ich möchte noch mal betonen – Aussagen des Leiters eines Gesundheitsamtes!

Meine sehr verehrten Damen und Herren.
Auch die Berichterstattung in den Printmedien hat eine Form angenommen, die jedwede Sachlichkeit und fachliche Kompetenz vermissen lässt und sich dahingehend verändert hat, dass nun nicht nur der Berufstand des Heilpraktikers angegriffen wird sondern in zunehmendem Maße auch das Spektrum der naturheilkundlichen Therapieverfahren, wie gegenwärtig die Homöopathie und in naher Zukunft - wie sich anbahnt - auch der Akupunktur und Osteopathie. Überschriften wie
Süße Versuchung
Auch scheinbar aufgeklärte Menschen picken sich die Erkenntnisse heraus, die ihnen passen
Die Homöopathie ist wie eine „Psychotherapie light“
20 Millionen Euro für Homöopathie: Deutschland fördert den Schwindel weiter.
Solche Schlagzeilen zieren in den Printmedien Artikel und sind Aussagen, welche die Naturheilkunde bis an den Rand der Lächerlichkeit treiben. Und das in einer Zeit in der die Gesellschaft sich zunehmend wieder der Natur zuwendet, in der Schülerinnen und Schüler auf die Straßen gehen und für eine neue Klimapolitik demonstrieren, in der das Bewusstsein für gesunde und natürliche Ernährung boomt und wir mit Antibiotikaresistenzen zu kämpfen haben! Ist es nicht verwunderlich, dass in genau dieser Zeit die Heilkräfte der Natur und die Wirksamkeit der naturheilkundlichen Therapien auf einen Placeboeffekt reduziert werden sollen? Es drängt sich doch in diesem Zusammenhang die Frage auf, welche Interessen hinter der gegenwärtigen Kampagne gegenüber der Naturheilkunde und unserem Berufstand stehen und wer diese vertritt. An vorderster Front ist hier die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchungen von Parawissenschaften kurz GWUP zu nennen, die als gemeinnütziger Verein zur Förderung der Volksbildung eingetragen ist. Der von Mitgliedsbeiträgen, Spenden und dem deutschen Konsumentenbund finanzierte Verein sieht Wissenschaft und rational-kritisches Denken als einzige verlässliche Methoden an, Zitat: „mit denen wir unsere Welt objektiv und nachprüfbar erforschen und verständlich erklären können.“ Kann dieser Ansatz die Komplexität und Individualität des Menschen in seiner Gesundheit und Krankheit wirklich gerecht werden? Können Heilung und Heilmethoden rein rational beurteilt werden? Verfolgt man die Aussagen und Argumentationsweisen der Skeptiker, wird schnell deutlich, dass ihr ganzes Bestreben letztlich darin liegt, im Gesundheitswesen alles abzuschaffen, was nach ihrem Verständnis nicht wissenschaftlich ist. Nach Aussage des Soziologen Edgar Wunder, selbst ehemals Gründungsmitglied des Vereins und langjähriger Redaktionsleiter der GWUP – Zeitschrift „der Skeptiker“, verstehe sich die GWUP selbst, ich darf zitieren:„als Kampfverband gegen alles, was der etablierten Wissenschaft zuwiderlaufe.“ An wissenschaftlichen Untersuchungen von Parawissenschaften seien sie höchstens insofern interessiert „als deren Ergebnisse `Kanonenfutter` für öffentliche Kampagnen liefern könnten“, so Wunder. Die Gruppe der Skeptiker verfügt über ein erstaunliches Netzwerk v.a. in den sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Blogs, über welche sie mit ihren Kampagnen in zunehmendem Maße meinungsbildenden Einfluss nehmen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren.
Was können wir in einer solchen Situation tun? Was können wir tun als Funktionsträger eines Berufsverbandes? Meiner Ansicht nach erfordert die gegenwärtige Situation mehr denn je, Differenzen zwischen einzelnen Verbänden zu überwinden auf einander zuzugehen um uns gemeinsam starkzumachen - für unseren Berufstand und für den Erhalt unseres breiten Spektrums naturheilkundlicher Therapiemethoden. Was kann auch jeder einzelne tun? Jeder Einzelne kann die Wirksamkeit seiner angewandten Therapiemethoden am besten durch Kompetenz unterstreichen. Bilden Sie sich weiterhin regelmäßig fort und nutzen Sie das hochwertige und breitgefächerte Fortbildungsprogramm des Verbandes! Werden Sie, falls Sie es noch nicht sind, Mitglied in einem kompetenten Heilpraktikerverband, um die Stimme des Berufsstandes berufspolitisch durch ihre Mitgliedschaft zu stärken. Weisen Sie noch nicht verbandlich organisierte Kollegen in ihrem Netzwerk auf die Bedeutung einer solchen Verbandsmitgliedschaft hin. Verfolgen Sie wachsam die öffentliche Berichterstattung und nutzen Sie die Möglichkeit, in sachlicher Form Leserbriefe und Kommentare zu verfassen. Und zu guter Letzt, empfehlen Sie Berufsinteressenten eine kompetente und umfassende Berufsausbildung. Mein Wunsch und meine Bitte an die politischen Entscheidungsträger hier in Bayern ist, dass Sie sich, wie in der Vergangenheit auch zukünftig in Themen der Naturheilkunde und des Heilpraktikerberufs auch an die berufsständischen
Vertreter wenden. Ich erwähne dies, weil es mich doch sehr überraschte, dass sich außerhalb Bayerns der politische Nachwuchs einer Partei, soweit mir bekannt, einseitig von Mitgliedern der GWUP in Fragen zu naturheilkundlichen Therapiemethoden beraten ließ, und nahezu deren kompletter Antrag zu einem Bundesparteitag aus Formulierungen von Frau Grams, der Vertreterin der GWUP schlechthin, übernommen wurde. Es soll nun im Weiteren aber nicht mein Thema sein und es würde an dieser Stelle zu viel Zeit in Anspruch nehmen im Gegenzug hier den Heilerfolg ausschließlich sogenannter wissenschaftlich erwiesenen Therapiemethoden am einzelnen Patienten zu hinterfragen und zu beurteilen. Wenn sich allerdings die Kritiker und Skeptiker schon auf die Welt der Zahlen und des Messbaren beschränken, stellt sich mir die Frage ob, nach Aussage des AOK Krankenhausreportes von 2014,
• von 19.000 Tote durch Behandlungsfehler von Ärzten
• weiteren 127 Patienten mit schweren Dauerschäden durch ärztliche Behandlungsfehler im Jahr 2018 zu registrieren sind und im selben Jahr
• 1.499 Fällen bei denen Patienten wegen Behandlungsfehlern von Ärzten eine Entschädigung zugesprochen wurde die Debatte um Naturheilkunde, Homöopathie und den Heilpraktikerberuf im Sinne des Patientenschutzes noch die entscheidende, wirklich wichtige und dringliche Frage ist.

Erlauben Sie mir meinen Zweifel, ob bei der Gruppe der Skeptiker am Ende des Tages hier wirklich noch der mündige Patient und der Patientenschutz im Mittelpunkt stehen? Herr Prof. Dr. Giovanni Maio, Mitglied des Direktoriums des Interdisziplinären Ethik-Zentrums Freiburg und Mitglied im Ausschuss für ethische und juristische Grundsatzfragen der Bundesärztekammer, äußerte in einem Vortrag folgenden Gedanken, ich zitiere: „Jede doppelblind kontrollierte Studie macht aus dem Patienten tendenziell ein Objekt; sie entzieht dem Patienten das an ihm Unverwechselbare, um zu generalisierbaren Aussagen zu gelangen. Es mag manche Therapiestudien geben, so Prof. Maio, bei denen diese Abstraktion vom Individuum unter bestimmten Voraussetzungen auch sinnvoll sein kann, aber wenn man so weit geht, dass allein solche Studien letztlich ausschlaggebend sein sollen für die Aussage, ob man jemandem helfen kann oder nicht, so führt diese Totalisierung der Zahl zur vollkommenen Entkleidung des Wesentlichen, denn in aller Regel wird dem hilfesuchenden Menschen nicht dadurch geholfen werden, dass man seine Individualität herausfiltert, sondern eher dadurch, dass man diese seine einzigartigindividuelle Biographie zum zentralen Angelpunkt der Therapie macht.“ Das gegnwärtige, ökonomische Zeitalter versucht mit aller Wucht, das Messenwollen zum Leitgedanken zu erheben und führt eine Totalität der Messbarkeit ein, die in dieser Exzessivität all das verkümmern lässt, was nicht messbar und zugleich aber entscheidend ist. Das Messen kann für viele Methoden wichtig sein, und das Problem ist ja nicht das Messen an sich, sondern die Vorstellung, dass mit dem Messen des Messbaren bereits das Ganze der Therapie erfasst werden kann.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
es ist nicht mein Anliegen, die Sinnhaftigkeit von wissenschaftlichen Untersuchungen und Forschungsansätzen zur Wirksamkeit naturheilkundlicher Therapiemethoden abzulehnen im Gegenteil,sie können ergänzend die Wirksamkeit unserer Heilverfahren auf einer zusätzlichen Ebene beleuchten.Ich möchte nur dringend davor warnen sie als alleiniges und einzig angemessenes Kriterium zur Beurteilung ihrer Wirksamkeit zu sehen und zu verwenden. Anstatt die Menschen durch größtenteils unsachliche Berichterstattung zu verunsichern, sollten man sich doch besser besinnen und den Patienten wieder in den Mittelpunkt rücken. Den Methodenpluralismus durch Schulmedizin und Naturheilkunde erhalten, die Wahlfreiheit und Mündigkeit des Patienten achten und dem Wunsch der Bevölkerung folgen, die mit rund 80% mitentscheiden möchte, welche Arzneimittel und Therapierichtungen bei ihren Beschwerden angewandt werden sollen. Zudem wünschen sich ca. 70% der Menschen laut Positionspapier der Hufelandgesellschaft aus dem Jahr 2013 einen integrativen Behandlungsansatz. Diesen deutlichen Wunsch der Bevölkerung möchte ich aber auch als Auftrag an uns Heilpraktiker und Funktionsträger selbst verstehen. Packen wir es an und erarbeiten wir gemeinsam verbandsübergreifend und berufsständisch geregelte Qualitätskriterien für die Bereiche der Aus – und Fortbildung. Hier in Bayern leistet der Heilpraktikerverband Bayern einen wesentlichen Beitrag zu Qualitätssicherung in der Naturheilkunde. Als Träger der ältesten Heilpraktikerschule Deutschlands, der einzigen Berufsfachschule für Naturheilweisen Josef Angerer bieten wir mit unserem 3-Jährigen Ausbildungskonzept mit rund 3000 Stunden eine fundierte Ausbildung zum Heilpraktikerberuf an. Neben den umfangreichen medizinischen Grundlagen lernen unsere Schülerinnen und Schüler verschiedene naturheilkundliche Denkmodelle der östlichen und westlichen Heilkunde und werden in den unterschiedlichen diagnostischen und therapeutischen Verfahren ausgebildet. Ein wesentlicher Bestandteil bildet hierbei die praktische Ausbildung in Kleingruppen und im dritten Ausbildungsjahr die Arbeit im schuleigenen Lehrambulatorium, wo Schüler unter Anleitung erfahrener Kollegen auf ihre spätere Praxistätigkeit vorbereitet werden. Darüber hinaus ist der Heilpraktikerverband Träger der Heilpraktiker Akademie Bayern, welche den Kolleginnen und Kollegen umfangreiche, transparente und hochwertige Fortbildungsmöglichkeiten in unserer Landeshauptstadt bietet. Flächendeckend und regional werden darüber hinaus eine Vielzahl von Fortbildungen in den Regierungsbezirken Bayerns angeboten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
als ältester und regional größter Berufsverband für Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker ohne sektorale Einschränkung, werden wir uns weiterhin für die Bewahrung und Weitergabe des großen Spektrums naturheilkundlichen Wissens und der Erfahrungsheilkunde einsetzten und ebenso für die Förderung und den Erhalt unseres Berufsstandes und den Heilpraktiker als freien Heilberuf. Wir haben daher mit Erleichterung zur Kenntnis genommen, dass der am 24.09 2019 in den bayrischen Landtag debattierte Dringlichkeitsantrag der FDP - Keine Homöopathie als Kassenleistung - abgelehnt wurde, auch wenn, wie man im Sitzungsprotokoll nachlesen kann, einige Aussagen in der Debatte doch sehr befremdlich waren. Umso mehr waren wir darüber erfreut, dass anstatt einer Vorverurteilung der naturheilkundlichen Heilmethoden, dem Antrag der Regierungsparteien im bayrischen Landtag - Todesfälle durch multiresistente Keime vermeiden - Studie zu einem reduzierten Antibiotikaeinsatz - am 7.11.zugestimmt wurde. In dem Antrag wird die Staatsregierung aufgefordert, durch eine Studie zu untersuchen bzw. untersuchen zu lassen, wie ein reduzierter Antibiotikaeinsatz im medizinischen Bereich realisiert werden kann. Dabei soll unteranderem auch die Rolle alternativmedizinischer Methoden in den Blick genommen werden. Auch soll in diesem Zusammenhang eine mögliche positive Rolle von ggf. ergänzend verabreichten homöopathischen Präparaten beleuchtet werden.
Eine hier ansetzende Studie, so der Antrag weiter, könnte Aufschluss darüber geben, inwiefern homöopathische Präparate sowie weitere alternativmedizinische Methoden eine Antibiotikaverordnung ersetzen oder zumindest reduzieren könnten - um damit der zunehmenden Entstehung multiresistenter Keime entegegenzuwirken.

Meine sehr verehrten Damen und Herren.
Die Naturheilkunde hat in Bayern eine weit zurückreichende Tradition. Lassen Sie uns, Vertreter der Politik und Berufsverbände, für die Naturheilkunde zusammenstehen, weiterhin zielführende Gespräche führen, damit den Worten Taten folgen können. Im Namen des Heilpraktikerverband Bayern möchte ich mich für die offenen und konstruktiven Gespräche und die Zusammenarbeit in den gesundheitspolitischen Gremien, in denen wir vertreten sind, herzlich bedanken. Ich möchte meine Ausführung nicht abschließen, ohne für Sie einen weiteren Gedanken von Prof. Dr. Maio zu zitieren, den er in einem Gespräch über die Fehlentwicklung in der heutigen Medizin äußerte: Zitat: „Wenn die betriebliche Rationalität in der Medizin überhand nimmt, kann die eigentliche Rationalität der Heilberufe, die Sorge - rationalität, nicht mehr zum Zuge kommen. Es geht darum, sich um den Patienten zu kümmern , das ist nichts anderes als Sorge. Die Sorge startet dort, wo man dem anderen auf Augenhöhe begegnet und versucht, auf dessen Sorge hin mit einem professionellen Sorgehandeln zu reagieren. Dabei muss man den anderen ernst nehmen, ihn verstehen und in seiner Unverwechselbarkeit erfassen wollen. Wenn wir diese Einzigartigkeit nicht erkunden wollen, werden wir den anderen lediglich typisieren, ihn für uns passend zurechtschneiden, Schablonen für ihn bereithalten. Er wird nicht mehr als Mensch angesprochen, sondern nur noch als Symptomträger durchgeschleust. Das ist die Fehlentwicklung der modernen Medizin.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
unsere Tagung stellt das Alter in den Mittelpunkt eine Phase im Lebenszyklus, dem auch die Weisheit und Erfahrung eines gelebten Lebens zurecht zugesprochen wird. Übertragen wir die Heilkunde in das Bild der Lebensphasen, so ließe sich die alte Erfahrungsmedizin und Naturheilkunde - der zweite Lebenshälfte zuordnen. Eine Phase, die zunehmend von gelebter Erfahrung, Erkenntnis und Weisheit geprägt ist. Die vergleichsweise junge, rein naturwissenschaftliche Medizin würde man wohl hingegen eher der ersten Lebenshälfte zuordnen. Einer Phase, in der das Entdecken, Erforschen, Sammeln von Erkenntnis und Erfahrung vordergründig ist. Einer Phase, in der auch manchmal der Glaube besteht, mit dem gerade Erkannten alles lösen zu können, was sich im Laufe des Lebens hier und da auch als Irrglaube
offenbaren mag. Ich bin der Überzeugung, dass es auch richtig ist, altes zu hinterfragen und durch neue Erkenntnisse auch durchaus zu bereichern - zum Wohl der Patienten. Dies aber mit Erfahrung und Altersweisheit – und nicht nur aus jugendlichem Leichtsinn.
In diesem Sinne, herzlichen Dank für ihre geschätzte Aufmerksamkeit.

Wolfgang Hegge, 1. Vorsitzender

 

Vorausschau

Tagung für Naturheilkunde im Frühjahr
Liebe & Sexualität – sexuelle Themen in Anamnese und Therapie
24.04.2020 – 25.04.2020 München


10.-12.07.2020 Chirotage Leggries


13.-15.11.2020 89. Tagung für Naturheilkunde München



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