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Rückschau

85. Tagung für Naturheilkunde
Bericht zur Eröffnungsveranstaltung am Samstag 12.11.2016

Heilpraktiker im Spektrum der Naturheilkunde:
Bewahrer, Anwender, Förderer - und vielleicht auch Retter?

Die jährlich im Herbst stattfindende Tagung für Naturheilkunde des Heilpraktikerverbandes Bayern ist eine der wichtigsten berufspolitischen Veranstaltungen für Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker im deutschsprachigen Raum. Auch, wenn das nassgraue Novemberwetter nicht unbedingt zu einem Besuch in der bayerischen Landeshauptstadt einlud – der Besucherandrang war auch beim 85. Jubiläum dieser renommierten Veranstaltung ungebrochen. Und bei wem sich, nach so vielen Jahren, womöglich der Eindruck eines etwas betulichen Eröffnungszeremoniells breit gemacht hat, dem sei hiermit versichert: Dem Organisationsteam ist es gelungen, das traditionell Bewährte mutig mit frischen Darreichungsformen zu verbinden.

Besonders Eröffnungsveranstaltungen sind – so lehrt es die Erfahrung – meist einem gleichbleibend rituellen Ablauf unterworfen. Doch nicht so in diesem Jahr.

Pünktlich um neun Uhr begrüßt Werner Buchberger die Teilnehmer im bis auf den letzten Platz gefüllten Vortragssaal. Von Beruf ist er Journalist und Moderator, kein Heilpraktiker, kein Funktionär. Qualifiziert ist er für seine Tätigkeit auf dieser Tagung dennoch: Er leitete lange Jahre das Ressort Gesundheit beim Bayerischen Rundfunk und ist vielen bekannt aus seiner Sendung  „Das Gesundheitsgespräch“ – eine Medizin-Talk-Sendung auf Bayern 2.
Anknüpfend an das Thema der Tagung „bewahren, anwenden, fördern“ stellt er die Hoffnung in den Raum, Heilpraktiker könnten für das hiesige Gesundheitssystem teilweise auch die Rolle des Retters einnehmen. Sei es im Bereich der sprechenden Medizin, der Prävention, aber auch der Finanzierung. Damit gibt er einen Ausblick auf die Tragweite der heutigen Diskussion.

Werner Buchberger steht zwischen den beiden Vorständen des Heilpraktikerverbandes Bayern, Ursula Hilpert-Mühlig und Ingo Kuhlmann, und verrät: Die Berufshaftpflichtversicherung für Heilpraktiker führt ein ruhiges Dasein. Es gäbe, so Ursula Hilpert-Mühlig, so wenige Schadensfälle, dass der Versicherer in Erwägung ziehe, die Prämie zu senken. Das könne mit Fug und Recht als Qualitätsbeweis für die professionelle Arbeit der Heilpraktiker gewertet werden.

An die kurzweilige Begrüßung schließt sich nun der förmliche Teil. Neben der namentlichen  Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste aus dem In- und Ausland verweist Ingo Kuhlmann auf die diesjährigen Jubiläen und Superlativen: Seit nunmehr 70 Jahren bestehe der Bayerische Heilpraktikerverband – er ist somit eine der ältesten und größten Berufsstandvertretungen für Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker. Und auch die verbandseigene Schule für Naturheilweisen feiere in diesem Jahr ihr 80jähriges Bestehen. Das mache sie zur ältesten Heilpraktikerschule weltweit, so Ingo Kuhlmann. Dann übergibt er das Mikrophon an Peter Steiert, Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, der die Grußworte der Gesundheitsministerin überbringt.

 

Den Fokus seiner Rede legt Peter Steiert auf das von der bayerischen Staatsregierung initiierte Bündnis für Prävention. Es freue ihn, dass auch der Heilpraktikerverband Bayern zu den Partnern der ersten Stunde gehöre und dieser damit zeige, dass die Heilpraktiker Gesundheitsförderung und Prävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrnähmen. Auch an den jährlichen Schwerpunktthemen des Gesundheitsministeriums beteilige sich der Berufsverband regelmäßig. Mit Blick auf die aktuelle Kampagne „Psychische Gesundheit bei Erwachsenen“ würdigt er die Leistung der Naturheilkunde als komplementäres Angebot, als einen wertvollen Beitrag zur ganzheitlichen Betrachtung und Behandlung.

 

 

Die Überleitung zur nächsten Rednerin, Lydia Dietrich, Stadträtin und Vertreterin des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München, führt Moderator Werner Buchberger: Ungefähr 2.000 niedergelassene Heilpraktiker gäbe es in München. An Lydia Dietrich gerichtet fragt er: „Was macht das Biotop München für Heilpraktiker so wertvoll?“ Selbstkritisch antwortet die Stadträtin, die Mitglied im Gesundheitsausschuss der Landeshauptstadt ist, dass die Naturheilkunde von politischer Seite viel mehr und mit größerer Ernsthaftigkeit gefördert werden müsse. In ihrer sich anschließenden, sehr persönlichen Rede, stellt sie ihre Wertschätzung für den Berufsstand in den Mittelpunkt: „In einer Gesundheitspolitik, die nicht nur auf die Abwesenheit von Krankheit, sondern auf die Unterstützung von gesunden Lebensbedingungen setzt, führt kein Weg an der Naturheilkunde vorbei.“ Die Naturheilkunde müsse zu einem zentralen und wichtigen Faktor im Gesundheitssystem werden. „Wir leben mit Menschen aus anderen Kulturkreisen, die andere, oft naturheilkundliche Verfahren gewohnt sind“, so die Politikerin. „Ich denke es wäre ratsam, diese in unser System zu integrieren.“ Vielleicht könnte das auch als Denkanstoß für die Heilpraktiker verstanden werden, sich zu öffnen, für Menschen und Kulturen, die jetzt gerade zu uns kommen und neue Ansätze für Therapien mitbringen?

 

Bevor Ursula Hilpert-Mühlig ans Rednerpult tritt, blickt sie mit Werner Buchberger zurück auf die Höhepunkte ihrer inzwischen 18jährigen Vorstandsarbeit in Bayern: Besonders die staatliche Anerkennung der Josef Angerer Schule als Berufsfachschule für Naturheilweisen und die Aufnahme der Heilpraktikerschaft per Gesetz in den Landesgesundheitsrat sind für die Vizepräsidentin des Fachverbandes deutscher Heilpraktiker wichtige Errungenschaften ihrer Arbeit.

Gewohnt konzentriert und auch in diesem Jahr thematisch „auf den Punkt gebracht“ folgt das berufsständische Referat von Ursula Hilpert-Mühlig.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen

2016 ist ein Jubiläumsjahr für viele Leistungen unseres Berufsverbandes. 80 Jahre Ausbildung, 70 Jahre berufsständische Vertretung und Dauereinsatz für den Erhalt der Naturheilkunde.

Naturgemäß fordern solche Ereignisse zu einem Rückblick auf, aber auch zu einer Standortbestimmung und zum Versuch einer Prospektive:  Woher kommst du? – Was bist du? – Wohin gehst du?

Ein kurzes Zurückschauen ist zunächst angebracht, gerade weil aktuell unglaubliche Geschichtsverfälschung betrieben wird. Da gibt es etwa unter Schulmedizinern Hardliner, die verbreiten, das Heilpraktikergesetz von 1939 diente als übelste juristische Nazi-Propaganda dazu, die Ausrottung und Vertreibung von jüdischen Ärzten und jüdischen Patienten einzuleiten.
Das ist mehr als dreist! Und es zeugt von peinlicher Unwissenheit.

Historisch belegt ist eigentlich, dass die Heilpraktiker, die Heilkundigen aus dem Volk, ausgerottet werden sollten – und mit ihnen auch ihr Gedankengut der Naturheilkunde.
Eine Staatsmedizin war vorgesehen, neben der keine Kurierfreiheit und damit keine Wahlfreiheit der Bürger (wie, von wem und womit sie behandelt werden möchten) zu existieren hatte.

Die zum Austrocknen des Berufsstandes geeigneten Methoden waren eine rigide Zulassungsbeschränkung  und ein totales Ausbildungsverbot. Nachlesbar im Original-Heilpraktikergesetz: § 2 „Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, bisher berufsmäßig nicht ausgeübt hat, kann eine Erlaubnis in Zukunft nur in besonders begründeten Ausnahmefällen erhalten“ und §4 „Es ist verboten, Ausbildungsstätten für Personen, die sich der Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes widmen wollen, einzurichten oder zu unterhalten.“

Historisch belegt ist auch, dass für diese Formulierungen in besonderem Maße der damalige Reichsärzteführer verantwortlich zeichnete, der die Naturheilkunde – bereinigt von jeglicher Individualbetrachtung – in die offizielle Medizin der Ärzte integrieren wollte.
Und sicher auch, um unliebsame Konkurrenz loszuwerden. Denn der Heilpraktiker wurde 1936 als freier Heilberuf anerkannt und es wurde ihm ein Standesrecht mit dem Privileg der eigenständig organisierten Aus- und Fortbildung in Aussicht gestellt.

In gutem Glauben an diese Zusage hat sich der Heilpraktikerbund Deutschlands (wie die damalige Berufsvereinigung hieß) unverzüglich um eine standesrechtlich geregelte Nachwuchsausbildung bemüht – deshalb  ist auch die Geburtsstunde unserer Heilpraktikerschule das Jahr 1936.
Nach Inkrafttreten des Heilpraktikergesetzes und seiner Durchführungsverordnungen mussten dann alle Ausbildungsstätten unverzüglich schließen. Vielerorts unterrichteten jedoch ehemalige Lehrer in ihren Praxen heimlich weiter und retteten damit naturheilkundliche Verfahren vor dem Aussterben.
Ihnen ist maßgeblich zu verdanken, dass es nach dem Untergang der Nazi-Diktatur noch ausgebildete Heilpraktiker gab.
Nach dem Krieg erklärte die demokratische Rechtsordnung der BRD das Zulassungs- und Ausbildungsverbot für verfassungswidrig und mit dem Grundrecht auf freie Berufsausübung nicht vereinbar. Damit wurde aus dem „Aussterbegesetz“ ein Zulassungsgesetz und die Grundlage unseres heutigen Berufsrechtes.
Und das war dann praktisch auch der Startschuss für die offizielle Wiederaufnahme der eigenverantwortlich organisierten, berufsständischen Heilpraktiker-Aus- und Fortbildung.

Wir dürfen zu Recht stolz sein auf unsere Altvorderen, die mit unermüdlichem Idealismus und mit großer Weitsicht die Basis unserer berufsständischen Ausbildung gelegt haben, die entscheidend dazu beigetragen haben, dass Naturheilkunde – die ja vorrangig auf Erfahrung beruht – lehrbar und lernbar ist. Und wir haben das konsequent weitergeführt, unsere Ausbildung standardisiert und nicht zuletzt damit (in Bayern) die offizielle Zulassung einer Berufsfachschule für Naturheilweisen erworben.

Ein gleich hohes Engagement gilt auch für die Gründer unseres Verbandes. Sie schufen 1946, also bald nach Kriegsende, mit Erlaubnis der damals zuständigen amerikanischen Militärregierung unseren Landesverband mit einer vorbildlichen demokratischen Ordnung des Berufsstandes. Neben dem mühsamen Aufbau einer neuen Standesvertretung war ihr vorrangiges Bestreben, das breite Spektrum der Natur- und Erfahrungsheilkunde der Heilpraktikerschaft wieder zugänglich zu machen. Der Wunsch, das fast schon verloren geglaubte Wissen wiederzubeleben, vor allem aber von der Erfahrung und den Fertigkeiten der noch wenigen alten Naturheilkundigen zu partizipieren, war in der Kollegenschaft so ausgeprägt, dass schon bald mehrtägige, zentrale Weiterbildungen angeboten wurden – aus denen dann die Tagungen für Naturheilkunde hervorgingen, deren 85. Jubiläum wir heute begehen. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren
Es waren lange Jahre des (Wieder-)Aufbaus und der Konsolidierung unseres Berufes, der dabei mannigfaltigen Anfeindungen ausgesetzt war. Unsere naturheilkundlichen Verfahren wurden ob ihrer Nichtwissenschaftlichkeit bestenfalls belächelt, meist jedoch als Scharlatanerie abqualifiziert.

Und wo stehen wir heute? Welche Bedeutung hat der Heilpraktiker für unser Gesundheitssystem generell, für den einzelnen Bürger und damit für den Patienten?

Als freier und eigenverantwortlicher Heilberuf ist er in der unmittelbaren Patientenversorgung tätig. Er sieht in erster Linie seine Aufgabe darin, die individuellen, gesundheitlichen Bedürfnisse der Bürger (die trotz der offiziellen medizinischen Bedarfsdeckung des Gesundheitswesens an ihn herangetragen werden) weit möglichst zu befriedigen, das heißt Krankheiten zu erkennen und zu heilen bzw. Befund und Befinden zu bessern. Er versucht, den Patienten in seiner Ganzheit (als geistig-seelisch-körperliche Einheit) zu erfassen, und bei seiner Therapieauswahl die individuellen Ressourcen des Patienten zu dessen Selbstheilung anzuregen und zu stärken. Dabei bedient er sich weitgehend natürlicher Heilmittel.

Darüber hinaus erfüllen Heilpraktiker eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe: Sie bewahren die Methodenvielfalt im Gesundheitssystem, verhindern dadurch eine unserer demokratisch pluralistischen Gesellschaft unangemessene Monopolstellung der institutionalisierten Medizin. Sie bilden praktisch eine Regulativfunktion, indem durch ihr Angebot nicht nur die Therapiefreiheit sinnvoll gewahrt wird, sondern auch die Wahlfreiheit des Bürgers nach einem von ihm persönlich bevorzugten Therapeuten seines Vertrauens.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Heilpraktiker das Gesundheitssystem auch finanziell enorm entlasten. Viele gesetzlich krankenversicherte Patienten suchen Hilfe beim Heilpraktiker, dessen Leistungen von ihnen selbst getragen werden.

Unser Berufsstand leistet darüber hinaus einen wichtigen Beitrag für die Volksgesundheit:
Denn Gesundbleiben ist neben dem Aspekt des Gesundwerdens das zentrale Thema der Naturheilkunde. Der Heilpraktiker ist kompetent in Fragen der Prävention. Grundsätzlich hält er seine Patienten zu einer gesunden Lebensweise an, im Sinne einer naturheilkundlichen Ordnungstherapie (5 Säulen der Naturheilkunde: Ernährung, Bewegung, Licht und Luft, rhythmische Lebensweise – die auch der Stressbewältigung dienen) und er macht damit auch bewusst, dass es für die eigene Gesundheit eine Selbstverantwortung gibt.

Weiterhin ist dem Heilpraktiker in Zeiten wissenschaftlichen Dogmatismus der Medizin die Aufgabe zugefallen, Bewahrer der Natur- und Erfahrungsheilkunde zu sein. Er hat die Pflege der Tradition dieser wichtigen Kulturgüter unseres Volkes übernommen und er hält sie in seinen Therapien lebendig. Inzwischen stuft ja auch die UNESCO Naturmedizin als „immaterielles Kulturerbe“ ein, das es zu schützen und zu erhalten gilt.
Es ist zweifelsohne das große Verdienst der Heilpraktiker, dass die Naturheilkunde trotz der Entstehung der wissenschaftlich akademischen Medizin durchgehend weiter praktiziert, weiterentwickelt und bewahrt wurde und wird, und damit im Spektrum der Medizin der Gegenwart als aktuelle naturheilkundliche Therapie zur Verfügung steht. Nicht zuletzt deshalb haben wir in unserem Land ein sehr komfortables Therapieangebot, das weit über die systemisch-medizinische Bedarfsdeckung hinausgeht.

Und das wird von den Menschen in unserem Land hoch geschätzt, dass sie Behandlungsstrategien auswählen können, die ihren persönlichen Bedürfnissen entsprechen.
Zudem wünscht sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung einen ungehinderten Zugang zu Naturheilmitteln und naturheilkundlichen Verfahren. Demoskopische Umfragen sprechen von nahezu 80%. Und in vielen Umfragen wird auch deutlich, dass vor allem Heilpraktiker als die Vertreter der Naturheilkunde angesehen und als kompetente Ansprechpartner für Naturheilweisen geschätzt werden.

Vom Status quo zum Quo vadis:
Wohin soll´s gehen? Bleibt´s wie es ist?
Wie sehen gesundheitspolitische Entscheidungsträger unseren Beruf? Wird er als Regulativ zur monopolisierenden Schulmedizin bestehen bleiben?

Mit diesen Fragen endet das Referat von Ursula Hilpert-Mühlig als Überleitung zu einer Podiumsdiskussion. Statt einzelner Grußworte der geladenen Vertreter der Landtagsfraktionen bittet der Moderator die Parlamentarier des Bayerischen Landtags gemeinsam auf die Bühne.  Und so finden sich neben der FDH-Vizepräsidentin der Zahnmediziner Prof. Dr. Peter Bauer, stv. Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler sowie die gesundheitspolitischen Sprecher der CSU, Bernhard Seidenath, der SPD, Kathrin Sonnenholzner und von Bündnis 90/Die Grünen, Ulli Leiner ein. Doch auch das Publikum soll miteinbezogen werden: „Ich habe zu meinem Anzug die schnellen Turnschuhe angezogen, so dass ich in jedem Moment bei Ihnen sein kann, wenn Sie mitdiskutieren oder nachfragen wollen “, fordert Werner Buchberger die Zuhörer im Saal zur Partizipation auf.

Die Sorge, dass erfolgreiche Therapien aus dem Repertoire der Heilpraktiker extrahiert werden und in der institutionalisierten Medizin zur Anwendung kommen ohne jedoch die Heilpraktiker bei dieser Wissenstransformation mit einzubeziehen, ist der erste Beitrag aus dem Publikum. Der einsetzende Applaus macht deutlich, dass wohl die meisten im Saal diese Bedenken teilen.

Dazu konstatiert Kathrin Sonnenholzner, dass ja das entscheidende Kriterium, ob ein Patient zum Heilpraktiker oder zum Arzt geht, der Faktor Zeit sei, der dem Behandler für den Patienten zur Verfügung stehe. Daher müsse sich der Heilpraktiker keine Sorgen machen, dass Patienten zu Ärzten abwandern würden, die ebenfalls Naturheilverfahren anbieten würden. Abgesehen davon solle man jetzt, da die Schulmedizin naturheilkundliche Praktiken übernehme, nicht sagen, dieses Vorgehen sei falsch – denn schließlich sei das jahrelang der Vorwurf an die Schulmedizin gewesen. Auch Bernhard Seidenath kann die Bedenken nicht nachvollziehen: „Es ist eine Wertschätzung und ein Kompliment für Sie alle, dass diese Dinge (ein modernes, ganzheitliches Menschenbild, bestehend aus Körper, Seele und Geist; Anm. d. Autors) jetzt auch von anderen übernommen werden.“ Es sei die Aufgabe der Politik, im Sinne der Menschen zu handeln und dazu gehöre auch das, was die Heilpraktiker seit über 70 Jahren vorleben und anwenden würden, für den Menschen in der Gesamtheit nutzbar zu machen. Einzig Ulli Leiner geht auf die konkreten Bedenken, auf die sich der Wortbeitrag bezog, ein: „Ich nehme als Beispiel verschiedene Verfahren, die jetzt von Ärzten angewandt werden und früher bei den Heilpraktikern angesiedelt waren. Die erfolgreichen Methoden werden übernommen und andere Dinge, die nicht ins System passen werden häufig abgelehnt. Und damit bleibt auch Ihr Beruf außen vor.“

Im weiteren Verlauf der Diskussion wird sichtbar, wie weit die unterschiedlichen Auffassungen darüber, was Ganzheitlichkeit meint, divergieren: Bernhard Seidenath führt als Beispiel die genorientierte Individualmedizin an. Die Medizin habe erkannt, so der CSU-Politiker, dass kleine Veränderungen gesamtsystemische Auswirkungen hätten. Kathrin Sonnenholzner hingegen zeigt sich wenig begeistert über diesen neuen Ansatz. Als Ärztin hält sie sowohl die prophezeiten Therapieerfolge für falsch, also auch die Unsummen, die auf die Krankenkassen durch so eine individualisierte Gentherapie zukommen werden - und schlussendlich kommen dann noch die datenschutzrechtlichen Probleme hinzu. Als Vertreterin der Heilpraktiker rückt Ursula Hilpert-Mühlig die Denkweise der Naturheilkunde zurück in den Mittelpunkt: „Unser Konstitutionsmodell ist der gesamte Mensch. Wir sehen was er mitbringt, welche Stärken ihm zueigen sind, wie seine Seele tickt.“ Diese Sichtweise sei eine komplett andere wie die der individualisierten Genmedizin, auch wenn diese durchaus ihre Daseinsberechtigung habe.

Grundsätzlich bleiben die Themen der Diskussion weiterhin eher auf der Metaebene: Kathrin Sonnenholzner sieht in der Gleichwertigkeit zwischen Schulmediziner und Heilpraktiker keine Probleme, wohl aber in der Gleichberechtigung. Erreicht werden könnte diese durch den gemeinsamen Zugang zur Gesundheitskarte als Verknüpfung der beiden Systeme. Diese ist jedoch für alle Beteiligten noch immer ferne Zukunftsmusik. Auch die weiteren Wortmeldungen aus dem Publikum bleiben im abstrakten Raum: Das Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Medizin und Naturheilkunde, die Identität des Heilpraktikers an sich, das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung. Lediglich ein Zuhörer bringt einen konkreten Missstand ins Gespräch: Die fehlenden Indikationen für homöopathische Arzneimittel und die nicht mehr vorhandenen Dosierungsangaben für Phytotherapeutika. „Da sind wir aber, wie wir hier sitzen, nicht die direkten Ansprechpartner“, lautet die Antwort von Kathrin Sonnenholzner, denn das seien Angelegenheiten des Bundes und nicht der jeweiligen Länder.

Prof. Dr. Peter Bauer ermutigt die Heilpraktiker am Ende der Diskussion, sich noch mehr berufspolitisch zu engagieren, um entsprechende Mehrheiten für politische Veränderungen mobilisieren zu können. Mit Hinblick auf die von etlichen Zuhörern angesprochene Gleichberechtigung mahnt er jedoch: „Bedenken Sie, wenn Sie in das gesetzliche Krankenwesen eintreten, welche Einschränkung und Bevormundung Sie dann haben, wie viele Freiheiten Sie dann verlieren. Ich habe 30 Jahre Erfahrung als Kassenarzt - und ich würde an Sie appellieren: Wählen Sie die Freiheit.“

Auch Ulli Leiner äußert sich abschließend noch einmal sehr deutlich: „Die Lobby der Ärzte auf die Politik ist nach wie vor immens.“ An die Heilpraktiker appelliert er eindringlich, hieran zu arbeiten: „Sie müssen gehört werden, wenn es um gesamtmedizinische Fragen und um die medizinische Versorgung geht und Sie brauchen eine einheitliche, ganz starke Stimme. Es muss weitere Maßnahmen geben, denn der Einfluss auf die Politik muss eindeutig stärker werden.“

So wird zum Abschluss der Diskussion eines deutlich: Wenn der Berufsstand der Heilpraktiker auf Dauer an Wertschätzung und Gleichberechtigung gewinnen möchte, müssen zuerst einmal gemeinsame Grundlagen innerhalb der Heilpraktikerschaft gelegt und bestehende Mauern niedergerissen werden. Es braucht eine einheitliche, starke Stimme, es braucht Selbstbewusstsein um auch zukünftig Bewahrer, Anwender und Förderer zu bleiben. Wer weiß, dann könnten Heilpraktiker das Gesundheitssystem tatsächlich auch ein Stück weit retten.

Daniel Brunner

 

 


 

84. Tagung für Naturheilkunde 13. – 15. November 2015

Die 84. Tagung für Naturheilkunde fand unter dem Motto „Die großen Leiden unserer Zeit – Herz- Kreislauf-Erkrankungen“ statt. Wie in jedem Jahr wurde die Eröffnung dieser  traditionsreichen Tagung auch als berufspolitisches Forum genutzt, zumal regelmäßig Vertreter der Staatsregierung, der Landeshauptstadt München sowie die Gesundheitspolitiker aller Fraktionsparteien als Gäste anwesend sind. Auch in diesem Jahr nahm sich die Eröffnungsveranstaltung wichtiger berufsständischer Themen an.
Das berufsständische Referat von Ursula Hilpert-Mühlig, stellv. Vorsitzende des bayerischen Verbandes und Vizepräsidentin des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker zeigt am Beispiel der Behandlung Herz-Kreislauferkrankter auf, dass Heilpraktiker einen umfassenden therapeutisch-medizinischen Behandlungsansatz haben, aus dem sich die Notwendigkeit ergibt, auch über die ärztliche Therapie ihrer Patienten ausreichend informiert zu sein und dafür auch zukünftig eines entsprechenden Zugangs zu diesen Daten bedürfen.

Eingeleitet wurde ihr Impulsreferat mit einem Klangexperiment, bei dem verschiedene Herzschlagrhythmen getrommelt wurden, um deren Einfluss auf das Vegetativum zu demonstrieren.

Herzschlagtrommeln

Verehrtes Auditorium,

dass rhythmische Tonfolgen rhythmische Organfunktionen beeinflussen, ist Jahrtausende bekannt. Sicher haben Sie das gerade selbst gespürt, wie das Herzschlagtrommeln Puls und Atmung berührt.
Es ist auch deshalb hervorragend als Musiktherapie einsetzbar.
Mit unserer kleinen Vorführung  wollten wir auch ein wenig am mechanistischen Menschenbild der Schulmedizin „kratzen“. Wenn das Herz nur eine Blut-Pumpe ist, die Gefäße nur Transportbahnen, dann wären sie mit solcherlei Außenreizen wohl schwerlich beeinflussbar. Trommeln Sie doch mal eine Heizungspumpe an und beobachten dabei, ob es zu Änderungen am Druckmanometer kommt…

Naturheilkunde betrachtet das Herz als ein aktives Organ der Wahrnehmung und als Mittelpunktorgan der Seinsebenen Körper-Seele-Geist, die uns Menschen als Ganzheit ausmachen, die untrennbar miteinander verbunden sind und sich wechselseitig beeinflussen. Lebensweise, seelische Befindlichkeit, Lebenseinstellung wie auch die konstitutionelle Ausstattung und die biografische Situation eines Menschen haben daher immensen Einfluss auf die Gesundheit seines Herzens und seiner Gefäße.

Erkrankungen am Herzen und Kreislauf sind die großen Leiden unserer Zeit. Weltweit und auch in Deutschland sind sie Todesursache Nummer 1. Bei kaum einer anderen Erkrankungsgruppe sind Ursachen und Einflüsse auf die Krankheitsverläufe so breit gefächert, und sie verlangen ob ihrer Komplexität auch eine breit gefächerte Betrachtungs- und Behandlungsweise.
Die Naturheilkunde mit ihrem ganzheitlichen, diagnostischen und therapeutischen Ansatz bietet durchaus erfolgversprechende Konzepte. Und diese werden auch von vielen an Herz- und Kreislauf erkrankten Menschen wahrgenommen.

Damit sieht sich im Praxisalltag auch der Heilpraktiker weniger mit der Vermeidung dieser Erkrankungen konfrontiert, als mit Patienten, die in der Regel schulmedizinisch standardversorgt sind, und darüber hinaus gesundheitliche Verbesserungen suchen.
Eine besondere Herausforderung stellt die zumeist umfängliche allopathische Medikation der Patienten dar, nicht selten werden fünf und mehr Arzneimittel eingenommen, viele mit unangenehmen Nebenwirkungen. Insbesondere bei organisch bedingten Herzerkrankungen, wie etwa der Herzinsuffizienz, sind diese Arzneimittel jedoch lebenserhaltend. Wir sehen hier unsere naturheilkundliche Behandlung, zu der auch persönliche Zuwendung gehört, als Ergänzung zur Verbesserung der Lebensqualität des Patienten.

Vielfach konfrontiert werden wir mit als „funktionell“ diagnostizierte Herz- und Kreislaufbeschwerden. Das heißt, es wurde keine organische Ursache gefunden, gleichwohl sind auch diese Patienten medikamentös „versorgt“ und nicht selten rühren die Beschwerden, derentwegen sie dann eine Heilpraktikerpraxis aufsuchen, von unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Hier erweist sich unsere ganzheitlich ansetzende Diagnostik und Therapie durchaus als Alternative. Denn nicht selten liegt die Ursache in emotionalen Belastungen, unter denen das Herz (mit)leidet, zuweilen ist  es auch ein verklemmter Brustwirbel, der die Herznerven irritiert. Da helfen dann Gespräch oder manuelle Therapie nachhaltiger…

Ein weites Feld beim Thema Herz und Kreislauf ist der stetige Drang der Schulmedizin, Körperfunktionen in eine  Normierung zu zwingen. Insbesondere den Blutdruck sowie die Blutfettwerte mittels chemischer Wirkstoffe auf als „normal“ postulierte Werte zu regulieren, scheint hierbei ein Hauptanliegen zu sein. Dabei wird weniger das Befinden des Patienten zugrunde gelegt als statistische Mittelwerte. Erschwerend kommt hinzu, dass Therapie nur zur Erreichung medizinischer Normwerte, nicht die Ursachen der veränderten Werte angeht, sondern lediglich kosmetische Korrekturen vornimmt.  Zudem werden bei den Menschen Ängste geschürt, sie könnten krank werden, weil irgendein Messwert aus einer sehr willkürlichen Norm fällt. Solche dogmatische Ausrichtung führt nicht selten dazu, aus eigentlich sich wohlfühlenden Menschen künstlich Patienten zu machen mit Trend zur Dauermedikation und den daraus resultierenden Beschwerden infolge von Nebenwirkungen.
Hier sind wir Heilpraktiker durchaus gehalten, Patienten unter Einbeziehung ihrer persönlichen
Risikofaktoren individuell zu beraten, Dauermedikation, die nur auf Symptome abzielt, kritisch zu hinterfragen und Interventionen anzubieten, welche die Ursachen der Normabweichung angehen.
 
Meine sehr verehrten Damen und Herren,     

ich hoffe, dieser kleine Einblick in den Heilpraktiker-Praxisalltag konnte verdeutlichen, dass unser Teil der Patientenbehandlung entsprechend unserer Stellung als freier Heilberuf einen umfassenden therapeutisch-medizinischen Ansatz hat, der sich nicht nur in Gesundheitsberatung und Präventivmaßnahmen erschöpft. Nicht zuletzt daraus leitet sich auch die Notwendigkeit ab, dass wir mit der ärztlichen Therapie, die unseren Patienten zuteilwird, vertraut und ausreichend darüber informiert sind.                     

Der Großteil der Herz-Kreislauf-Erkrankten sind ältere und nicht selten auch multimorbide Patienten.
Sie sind also in einem Zustand, in dem sie nicht nur polypharmazeutisch behandelt werden, sondern sich auch nicht unbedingt an alle diese Verordnungen erinnern oder sie benennen können.
Umso wichtiger ist es, dass wir Heilpraktiker uns selbst einen Überblick verschaffen können.
Bislang klappt das gut, unsere Patienten bringen in aller Regel ihre Krankengeschichten in Papierform mit –oftmals ganze Ordner –, in denen neben den Befunden auch die therapeutischen Maßnahmen und Arzneidokumentationen abgeheftet sind. So gewinnen wir nicht nur einen Einblick in den bisherigen Verlauf, sondern wir können auch unsere naturheilkundlichen Therapieangebote gezielter auf die aktuellen Gegebenheiten ausrichten.

Dies würden wir auch gerne weiterhin so praktizieren, doch das könnte gefährdet sein,
gefährdet durch die rasant sich ausbreitende elektronische Informationstechnik, die auch vor dem Gesundheitswesen und damit vor Patienten und  Gesundheitsberufen nicht Halt macht.

Seit mehr als einer Dekade diskutiert und vielfach kritisiert, doch nun ist sie da, die elektronische Gesundheitskarte für den Patienten, sie löst die bisherige Krankenversicherungskarte ab.
Seit Anfang 2015 müssen die Gesetzlichen Krankenversicherungen diese Karten ausgeben.
Und zurzeit ist ein Gesetz im Bundestag in Anhörung, das sog. E-Health-Gesetz, das die sichere digitale Kommunikation und Anwendung im Gesundheitswesen regeln soll und unter anderem auch den Umgang mit dieser Gesundheitskarte.

Was bedeutet das im Hinblick auf den Praxisalltag? Was wird darauf gespeichert? Und wer hat Zugriff zu diesen Patientendaten?

Vorgesehen ist, neben den persönlichen Daten des Versicherten weitere medizinische Informationen wie etwa Notfallversorgungsdaten, persönliche Arzneimittelrisiken und -unverträglichkeiten abzuspeichern, sowie zukünftig auch eine elektronische Patientenakte anzulegen. Das ist eine Datenbank, in der Behandlungsdaten, Labor- und Röntgenbefunde, Medikamente, Verlaufsberichte etc. gespeichert werden – also alles, was im Krankheitsfalle erhoben und medizinisch gebraucht wird.
Damit dürften in absehbarer Zeit die bislang papier- und bildgebend gebundenen Daten durch elektronische Kommunikationsverfahren ersetzt werden.

Ich möchte nicht darüber spekulieren, ob die Ziele, die mit dieser Einführung verbunden sind, damit erreicht werden können: nämlich die Rechte des Patienten stärken, indem nur er die alleinige Verfügungsgewalt über seine Akte hat, die administrative Kommunikation verbessern, indem die Befundergebnisse von Ärzten nicht nur eigengenutzt , sondern auch anderen Leistungserbringern zur Verfügung gestellt werden, Effizienz steigern und damit Kosten sparen, indem etwa Doppeluntersuchungen  vermieden werden können. Um das zu beurteilten, fehlt es mir an differenziertem Einblick in die Abläufe dieser Telematik-Infrastruktur.

Unzweifelhaft wird jedoch die Bündelung aller gesundheitsrelevanten Daten auf einen elektronischen Träger nicht nur für die Patienten erhebliche Veränderungen mit sich bringen, sondern auch für alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen, die für ihre Berufsausübung Zugang zu den dort gespeicherten Daten benötigen.

Das neue Gesetz regelt auch die Zugriffsmöglichkeiten auf diese Daten. Grundsätzlich muss die Einwilligung des Patienten vorliegen, was wir sehr begrüßen.
Damit Heil- und Gesundheitsberufe (mit Zustimmung des Patienten) auf diese Daten zugreifen können, benötigen sie jedoch einen Heilberufsausweis, ebenfalls in elektronischer Form (eHBA).
Nur wenn diese beiden Karten gemeinsam in ein spezielles Lesegerät eingegeben werden, können die Daten des Patienten eingesehen werden.
Einen eHBA erhalten – nach bisheriger Planung – nur Heil- und Gesundheitsberufe, die im Sozialgesetzbuch als Leistungserbringer gelistet sind. Die verkammerten Heilberufe (Ärzte, Psychotherapeuten, Apotheker) über ihre jeweiligen Kammern, die nicht-verkammerten Gesundheitsberufe über eine zentrale Stelle, dem sog. elektronischen Gesundheitsberuferegister, das sich bereits im Aufbau befindet.

Die Berufsgruppe der Heilpraktiker ist für einen eHBA im jetzigen Gesetzesentwurf nicht vorgesehen. Sie wäre damit von einem Zugriff auf die medizinischen Daten der Gesundheitskarte – auch mit Einwilligung des Patienten – völlig ausgeschlossen.

Damit wird nicht nur die Selbstbestimmung des Patienten eingeschränkt. Damit werden auch wir in der Erfüllung unserer Sorgfaltspflicht gegenüber dem Patienten erheblich behindert.
Denn wie sollen Heilpraktiker dieser angemessen gerecht werden, wenn ihnen wichtige Informationen wie z.B. Notfalldaten, Arzneimittelrisiken oder ärztliche Verordnungspläne nicht zugänglich sind? Nur auf die Aussagen des Patienten darf sich ein Behandler nicht verlassen, diese können fehlerhaft oder nur bruchstückartig sein; eine objektive Befundung ist für eine Diagnose und Therapie unabdingbar. 
Zur Verdeutlichung: Heilpraktiker sind zur eigenständigen Diagnose und Therapie berechtigt,  Patienten können sich zur Behandlung direkt an einen Heilpraktiker wenden. Deshalb unterliegt der Berufsstand auch denselben Sorgfalts- und Aufklärungspflichten in der Ausübung der Heilkunde, wie ein Arzt. Dazu gehören neben einer sorgfältigen Anamnese auch eine dem Beschwerdebild angemessene Befunderhebung sowie die Erfassung bisheriger medizinischer Behandlungen und einer vorhandenen Medikation. Patienten bringen in aller Regel bereits vorhandene Befunde wie etwa Laboruntersuchungen, Röntgenbilder etc. in die Heilpraktikerpraxis mit. Damit können Kosten und erneute, insbesondere auch gesundheitsbelastende Untersuchungen vermieden werden.
Was ja mit der elektronischen Gesundheitskarte erreicht werden will, allerdings mit der Ausklammerung eines Heilberufs als Zugriffsberechtigter ad absurdum geführt wird.

Im jetzigen Stand der Telematik-Struktur sehen wir eine klare Ausgrenzung der Berufsgruppe Heilpraktiker, wir sehen eine eklatante Benachteiligung gegenüber anderen Heil- und Gesundheitsberufen und wir sehen eine Behinderung des Patientenschutzes.
Unser gesamter Berufsstand wird gesundheitspolitisch ins Abseits gestellt, wenn ein zentrales Gesundheitsberuferegister den Heilpraktiker als Heilberuf nicht vorsieht.
Die Belastung insbesondere für gesetzlich krankenversicherte Patienten, die naturheilkundliche Behandlung wünschen, ist vorprogrammiert – und davon gibt es viele.
Laut demoskopischer Umfragen zur Beliebtheit von Naturheilkunde, hat jeder dritte deutsche Erwachsene schon einmal einen Heilpraktiker konsultiert. Über 90% der Bürger sind gesetzlich krankenversichert, damit gehört also auch ein Großteil dieser Versicherten zum Klientel unseres Berufsstandes. Sie bezahlen unsere Leistungen aus eigener Tasche und zusätzlich dazu wird ihnen zukünftig aufgebürdet, ihre ärztlichen Behandlungsdaten kostenpflichtig in Papierform selbst zu besorgen. Und das obwohl sie den Zugriff auf ihre medizinischen Daten gewähren würden.
Zudem würden gesetzlich krankenversicherte Patienten gegenüber privat krankenversicherten benachteiligt, da diesen weiterhin ihre Befunde in papiergebundener Form zugänglich bleiben.
Wie die Compliance von Patienten aussieht, wenn ihnen dauerhaft zugemutet wird, bei beabsichtigter Konsultation eines Heilpraktikers vorab einen Behandler mit Zugriffserlaubnis um ihre medizinischen Daten zu bitten, muss ich sicher nicht weiter ausführen. Dies kommt obendrein auch einer Herabwürdigung des vom Patienten ausgewählten Behandlers gleich.

Heilpraktikern eine angemessene Zugangsberechtigung für die elektronische Gesundheitskarte zuzugestehen, halten wir für dringend geboten.
Mit diesem Anliegen möchte ich mich auch ganz gezielt an unsere bayerischen Gesundheitspolitiker wenden. Denn welche Gesundheitsberufe  im zukünftigen Register geführt werden, wird mittels eines Staatsvertrages zwischen den Bundesländern geregelt. Was heißt, die Länder haben gestalterische Möglichkeiten…
Explizit möchte ich darauf verweisen, dass Heilpraktiker mit Zustimmung des Patienten nur einen lesenden Zugriff auf die medizinischen Daten seiner Gesundheitskarte nehmen wollen.
Darüber hinaus besteht für die sorgfältige Patientenbehandlung kein weiterer Bedarf.

Technisch ist das sicher lösbar – es muss nur noch politisch gewollt werden.
Und da bin ich gerne bereit, mitzuwirken

Danke für Ihre Aufmerksamkeit


Wie die Jahre zuvor nahmen auch an der 84. Tagung für Naturheilkunde zahlreiche Vertreter aus der Politik teil, dankten dem Heilpraktikerverband Bayern für sein großes Engagement und nahmen Stellung zu den von Ursula Hilpert-Mühlig vorgetragenen berufsständischen Anliegen.



      
links oben: I. Kuhlmann (Vorstand HVB),Ch. Hillenbrand (Regierungspräsident OB), U. Hilpert-Mühlig (Vize FDH)
links unten: L. Dietrich (Stadträtin München)
rechts oben: B. Seidenath (MdL, CSU)
rechts unten: U. Hilpert-Mühlig (Vize FDH),K. Sonnenholzner (MdL, SPD)
Mitte: U. Hilpert-Mühlig (Vize FDH),U. Leiner (MdL, Die Grünen)


Bericht zur Eröffnung: Heilpraktiker brauchen auch in Zukunft einen angemessen Zugang zu Patientendaten

Die 84. Tagung für Naturheilkunde fand unter dem Motto „Die großen Leiden unserer Zeit – Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ statt. Dass dieser Schwerpunkt gut gewählt war und Anlass zu einer hochaktuellen Debatte gab, zeigte sich im Verlauf der Begrüßungsreden. Es herrschte allgemeiner Konsens darüber, dass das Herz-Kreislauf-System betreffende Störungen keine eindimensionalen, lediglich durch symptombezogene Therapie zugänglichen Geschehen sind. Unter anderem deshalb ist die Behandlung dieser Erkrankungen auch eine Domäne der Naturheilkunde.

Ingo Kuhlmann, 1. Vorsitzender des Heilpraktikerverbandes Bayern, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Er stellte die Redner und politischen Vertreter vor und bat Christoph Hillenbrand, Regierungspräsident von Oberbayern, der in Vertretung des bayerischen Ministerpräsidenten gekommen war, um sein Grußwort. Dieser wies gleich auf die große gesundheitspolitische Bedeutung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin: Im Jahr 2013 seien allein in Bayern 52.000 Menschen an ebendiesen verstorben. Die Heilpraktiker hätten besondere präventive Möglichkeiten, das gesundheitsschädliche Verhalten der Patienten zu beeinflussen und alternative Wege aufzuzeigen. Er zitierte Goethe mit den Worten: „Wer die Menschen behandelt, wie sie sind, macht sie schlechter. Wer die Menschen aber behandelt, wie sie sein könnten, macht sie besser.“ Als Vertreter in allen wichtigen Gremien des Gesundheitswesens und nun neu auch im „Bündnis Prävention“ sei der Heilpraktikerverband Bayern ein verlässlicher und wichtiger Partner.

Danach übergab Kuhlmann das Wort an die Vertreterin des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München, die Stadträtin Lydia Dietrich. Sie machte deutlich, dass die Naturheilkunde und der ganzheitlich-medizinische Ansatz, auch ablesbar am stetig wachsenden Patientenzuspruch, eine große Bedeutung habe – gerade in München, der Stadt mit den meisten Heilpraktikern. Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien nicht nur rein körperlicher Natur, sondern auch von der Psyche und dem Lebenswandel beeinflusst. Am eigenen Leib habe sie erfahren dürfen, wie hilfreich die Naturheilkunde besonders im Bereich Stressmanagement und Ernährung sei. Sie lobte die Wahl des Tagungsthemas und machte deutlich, dass sie für die naturheilkundlichen Berufe eine stärkere politische Berücksichtigung und Anerkennung wünsche.

„Man sieht nicht nur mit dem Herzen gut, man hört auch mit dem Herzen gut!“ Das berufspolitische Impulsreferat von Ursula Hilpert-Mühlig, 2. Vorsitzende des Heilpraktikerverbandes Bayern und Vizepräsidentin des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker, wurde eindrucksvoll vom Percussionist Yakov aus Russland bereichert. Sein Klang-Experiment machte hör-und fühlbar, taktvoll unterstützt von U. Hilpert-Mühlig, wie sehr unser Herzschlag vom Zusammenspiel Takt, Ton und Rhythmus beeinflusst wird. Den richtigen Rhythmus, den stimmigen Takt finden – das müssen auch immer wieder der Berufsstand der Heilpraktiker und die politischen Entscheider. Das zeigte die Rede von Hilpert-Mühlig, die Sie im Anschluss an diesen Bericht finden. Darin warnte sie davor, dass Heilpraktiker durch die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte zukünftig den Einblick in Patientendaten verlieren könnten. So nahmen alle anschließenden Redner Hilpert-Mühligs Appell für den Zugang der Heilpraktiker zu Patientenakten über den Heilberufsausweis, dessen Vergabe über ein zentrales Gesundheitsberuferegister geregelt werden wird, auf.

So auch Bernhard Seidenath (CSU), stellv. Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im bayerischen Landtag. Er würde es begrüßen und sich auch dafür einsetzen, dass Heilpraktiker zukünftig nicht benachteiligt werden und sie auch weiterhin ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen können, indem sie angemessenen Zugang zu Patientendaten haben. Diesbezüglich stellte er Bestrebungen für einen eigenen bayerischen Weg in Form eines elektronischen Gesundheitsdatenzentrums vor, dessen Umsetzbarkeit gerade geprüft werde und das unter Umständen im nächsten Jahr umgesetzt werden könnte. Heilpraktiker wären Vorreiter in der Ausübung personalisierter Medizin. Von jeher hätten sie die Gesamtheit der Patienten im Blick und würden einen Kontrapunkt zur immer stärkeren Spezialisierung in der Schulmedizin setzen. Er bedankte sich für dieses segensreiche Wirken bei den anwesenden Heilpraktikern. „Vergelts Gott!“

Die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner (u.a. Vorsitzende des Landtags-Ausschusses für Gesundheit und Pflege) wurde von Hilpert-Mühlig eingangs für ihre Treue gelobt – schon das zehnte Mal sei sie auf dem Kongress. Sie sorgte für ein herzliches Lachen im Saal, als sie antwortete, sie hätte schon 13-mal dabei sein können, war aber die ersten beiden Jahre nicht eingeladen, weil die Aufgabe damals noch ein anderer Kollege übernommen hätte. Auch sie begrüßte die Themenwahl des Kongresses, beschränkten doch Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Lebensqualität der Betroffenen immens und seien noch dazu die häufigste Todesursache in Europa. Selbst die Schulmedizin hätte mittlerweile erkannt, dass das „gebrochene Herz“ nicht nur eine Redensart sei, und die Diagnose „Broken Heart Syndrome“ eingeführt. Die Gender-Unterschiede in der Medizin aber hätten Heilpraktiker schon lange berücksichtigt, in diesem Falle „Frauenherzen schlagen anders“. Auch dies sei ein Thema, das ihr „sehr am Herzen liegt“. Sie vertrat den Standpunkt, dass die Vergabe des Heilberufsausweises an Heilpraktiker an Qualitätsbedingungen geknüpft werden sollte. Wie diese aber aussehen könnten, bleibe zu überlegen. Es sollte aber ein niederschwelliger Zugang in beide Richtungen möglich gemacht werden, sodass auch der Arzt die Interventionen des Heilpraktikers einsehen kann. Sie bedankte sich und signalisierte ihre Vorfreude, auch im nächsten Jahr dabei zu sein.

Anschließend sprach Ulli Leiner (u.a. Mitglied im Landtags-Ausschuss für Gesundheit und Pflege, B90/Grüne) von sich selbst als kritischem Geist gegenüber der immer mehr technisierten Schulmedizin. Die Naturheilkunde sehe er als wichtige Ergänzung. Die Heilpraktiker bräuchten starke Stimmen, denn in vielen neuen Gesetzen werde ihnen zu wenig Bedeutung beigemessen. So würden Heilpraktiker nach aktuellem Stand keinen Zugang zum Heilberufsausweis und damit zu Patientendaten bekommen. Selbst beim für den Aufbau des Gesundheitsregisters zuständigen Zentrum für Telematik und Telemedizin, bei dem Leiner explizit nachgefragt hatte, halte man das Nicht-Einbeziehen der Heilpraktiker für unverständlich. Leiner plädierte für eine bundesweite Regelung. Auch er führte ins Feld, dass die große Kunst der heilpraktischen Tätigkeit die Behandlung des Menschen in seiner geistig-körperlichen Gesamtheit sei. Der Heilpraktiker nehme sich Zeit für den Patienten, was einen wichtigen Faktor für die Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstelle. Anerkennung des Heilpraktikerberufs durch die Ärzteschaft sähe er als Voraussetzung für die Ausschöpfung aller Behandlungsmöglichkeiten in der Naturheilkunde.

Da an diesem Morgen die Nachrichten über die schrecklichen Terroranschläge in Paris am Abend zuvor bekannt wurden, drückten alle Redner ihr tiefes Mitgefühl und die Solidarität gegenüber den auch anwesenden französischen Gästen aus. Leiner formulierte abschließend: „Ich wünsche Ihnen trotz allem Freude an diesem Tag und dass wir uns von den Terroranschlägen nicht im täglichen Leben beeinflussen lassen – denn genau das wollen diese Kräfte erreichen.“ Ursula Hilpert-Mühlig nahm diese Worte auf: „Wir hatten heute auch harte und nachdenkliche Kost.“

Für abschließende Auflockerung sorgte Percussionist Jakov mit einer fröhlichen Rumba-Session. Die Gäste lauschten mit ihren „Herzohren“, wobei der ein oder andere Fuß und Kopf stimmungsvoll im Takt der Trommeln wippte. Die Herzen der Heilpraktiker schlagen nun mal von jeher besonders leidenschaftlich für die Naturheilkunde. Die Tagung 2015 zeigte dies wieder einmal mehr.

Elisa Gebhardt

(aus: Naturheilpraxis 12/2015 S.91-92. Mit freundlicher Genehmigung des Pflaum-Verlages)
Link auf die Homepage der Fachzeitschrift Naturheilpraxis
 

 


83. Tagung für Naturheilkunde 8./9. November in München
Rückschau

83. Tagung für Naturheilkunde 8./9. November in München

Die Münchner „Tagungen für Naturheilkunde“  sind seit über 50 Jahren Anziehungspunkt für  Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker aus ganz Deutschland. Ebensolche Tradition wie die Tagung selbst ist die Eröffnungsveranstaltung, zu der die Gesundheitspolitiker aller Parteien sowie Vertreter der Staatsregierung und der Stadt München zu Gast sind.
Auch in diesem Jahr waren neben dem Schirmherrn der Tagung, der ehemalige Präsident des Bayerischen Landtags Alois Glück, die Amtschefin des Gesundheitsministeriums, Landtagsabgeordnete aller Fraktionsparteien sowie die Gesundheitsreferenten der Landeshauptstadt München vertreten. 
 

 

v.l.: Joachim Lorenz (Referent Gesundheit), Kathrin Sonnenholzner MdL (SPD), KlausPeter Rupp Stadtrat (SPD), Alios Glück (Landtagspräsident a.D.), Ursula Hilpert-Mühlig (Vizepräsidentin FDH), Ruth Nowak (Gesundheitsministerium), Bernhard Seidenath MdL (CSU), Ulli Leiner MdL (Die Grünen), Ingo Kuhlmann (Vorsitzender HVB)

Bei der Eröffnungsveranstaltung im voll besetzen Vortragssaal  wurde auf das Thema der Tagung „Prävention und Gesunderhaltung  – ein Beitrag der Heilpraktiker zur Volksgesundheit“   in zwei Vorträgen eingegangen.
Ein kurzes --> Impulsreferat der Kollegin Tina Haußer veranschaulichte die individuelle Sichtweise der Naturheilkunde, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Im nachfolgenden berufsständischen --> Referat wurde von Ursula Hilpert-Mühlig, Vizepräsidentin des FDH-Bundesverbandes und stellv. Vorsitzende des Heilpraktikerverbandes Bayern,  Gesundheitsförderung als eine gesellschaftspolitische Aufgabe dargestellt, in die auch Naturheilkunde und Heilpraktiker einzubeziehen sind. Die gelungene Eröffnung  mit Musik und den Grußworten aus der Politik wird im --> Bericht von Daniel Brunner beschrieben.

Impulsreferat von Tina Haußer

Salute liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde der Naturheilkunde, sehr geehrte Gäste aus der Politik und Salute allen Besuchern der 83. Tagung für Naturheilkunde mit dem Thema „Prävention und Gesunderhaltung – ein Beitrag der Heilpraktiker zur Volksgesundheit“.

Salute als häufig verwendetes Grußwort, zur Verabschiedung oder auch beim Zuprosten, aus dem Lateinischen stammend, wird in den romanischen Sprachen im Alltag häufig eingesetzt.
In der Bedeutung als Gesundheit wird sie dem Gegenüber täglich gewünscht.
In Spanien, wo ich auch seit einigen Jahren praktiziere, nennen wir den Menschen, der zu uns in die Naturheilpraxis kommt „Salutante“ = der Gesundheitssuchende – in  der Übersetzung ins Deutsche etwas holprig klingend, drückt dies doch genau aus, was wir unseren Patienten mit den Methoden der traditionellen Naturheilkunde anbieten: die Gesundheit zu fördern – sie anschließend zu erhalten und darüber zu informieren, wie dies über einen langen Zeitraum in ihrem individuellen Fall möglich ist.

Um Gesundheit erhalten zu können, müssen wir zunächst deren Begrifflichkeit definieren.
Traditionell naturheilkundlich finden wir Definitionen, die auf alte Lehren zurückgehen, welche in westlichen und orientalischen Traditionen beschrieben werden. Schon die Hippokratiker und Galen bezeichnen das Gleichgewicht der Kräfte, Elemente und Humores, also der Körpersäfte, als Ausdruck von Gesundheit, dagegen Krankheit als Disharmonie derselben. Die Vitalisten, mit ihrem Gründungsvater Aristoteles, sprechen in der Behandlung von Menschen über die Anregung der Vitalkraft, also der körpereigenen Vitalität und Gesundheit. Krankheit wird als Abwesenheit oder Schwächung dieser Kraft gesehen.

Als weitere Kraft kennt die Natur die der Eigenregulation, respektive Selbstheilungskraft, welche auch den Menschen in die Lage versetzt, sich selbst zu helfen – als wichtiger Bestandteil bei Wiederherstellung und Erhaltung der Gesundheit.
Diese Eigenregulation kann durch zahlreiche, naturheilkundliche Therapiemethoden unterstützt werden, so dass der Betreffende seine ureigenste Gesundheit erlangt.

Auch in anderen Kulturen ist der Weg zurück zur Gesundheitund deren Erhaltung = Salutogenese,im Medizinsystem bis heute verankert:
--> in Indien wird Gesundheit als eine ausgewogene Mischung der 3 Lebensenergien „dosha“ definiert und die Salutogenese als  der „lange Weg nach Hause“ = „senda“.
--> in China  wird die Geradläufigkeit = Orthopathie als Gesundheitsprozess beschrieben – als  Ausdruck der Harmonie und Ausgeglichenheit der Polarkräfte Yin und Yang und der Elemente.

Unsere Arbeit als Heilpraktiker besteht darin, diese Gesundheiten im Menschen mit den Mitteln der Natur anzuregen und zu erhalten. Ebenso sind wir Helfer in der Klärung der Frage, wie Sie und Er diese Grundkräfte vorbeugend pflegen und fördern können. Denn wir Heilpraktiker sind vor allem auf das Gesundbleiben der uns konsultierenden Menschen bedacht.
So ist das Thema der diesjährigen Tagung traditionell, aber auch hoch aktuell, denn wir erfahren in der täglichen Praxisarbeit immer häufiger von unseren Patienten die Bereitschaft, diese Kräfte zu stärken und zu erhalten.
                                                                           
Immer wieder werden wir gefragt: „Was kann ich selbst dazu beitragen, damit es mir besser geht und dieses auch so bleibt?“
Hier kommt nun noch ein ganz wichtiger Aspekt hinzu: es ist ganz entscheidend, WER uns diese Frage stellt, denn es gilt nicht für Jeden das Gleiche in der selben Situation: ist es eine fröhliche, traurige, extrovertierte, introvertierte, lymphatische, cholerische, venöse, nervöse Person, in welcher gesundheitlichen Verfassung befindet sie sich, in welchem sozialen und beruflichen Umfeld und Vieles mehr.
Aus diesem Grund nehmen wir uns ausreichend Zeit zu fragen, zu schauen, zu tasten, alle Sinne einzusetzen, um diesen Gesamtzustand zu erfassen.

Wenn wir die naturheilkundliche Diagnose gestellt und Maßnahmen zur Gesundheitspflege eingeleitet haben, so befinden wir uns bereits im präventiven Prozess, wenn wir dem Patienten Empfehlungen aussprechen, um günstig auf seine ganz persönliche Gesundheit einzuwirken, auch für die Zukunft.
Die Erstellung eines individuellen Präventionsplanes wird dann zu einem schnell einsetzbaren Mittel – stets eng verknüpft mit der Konstitution des Menschen, angepasst an seine Möglichkeiten, Veränderungen anzunehmen und dabei doch er selbst zu bleiben.

Auch leistet Prävention ihren Beitrag zur Volksgesundheit, indem wir jeden Menschen aus der Naturheilpraxis entlassen mit ein paar „Tipps“ zur seiner ganz persönlichen Ernährung und Lebensweise und ihn aufklären über seine individuelle gesundheitliche Situation, damit ihm bewusst wird, was in Zukunft günstig oder ungünstig auf sein Gesundbleiben – die Salutogenese – Einfluss  nimmt.
Oft sagen die Patienten zu mir im Laufe einer Behandlung:
„Ah, wenn das so ist, dann verstehe ich, was mir gut tut und was nicht.“
In diesem Moment haben wir den „naturheilkundlichen Instinkt“ und den „inneren Behandler“ dieses Menschen aktiviert, ihm gegeben, was er als Salutante sucht und was ihn in seiner persönlichen Leistungsfähigkeit weiter bringt.

Lassen Sie uns auch nicht vergessen, was wir mit Freude und Lachen für die Gesunderhaltung beisteuern können – deshalb immer an die Ausgeglichenheit unserer Humores – upps!  unseres Humores denken und frohgemut bei der ernsten Sache bleiben!

Salute Ihnen Allen mit anregendem Informationsaustausch und Freude an der Tagung rund um das Thema „Prävention und Gesunderhaltung“                                                                              


Tina Haußer, Ursula Hilpert-Mühlig

Berufsständisches Referat von Ursula Hilpert-Mühlig

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

den einzelnen Menschen mit seinen individuellen Gesundheiten zu betrachten und entsprechend zu fördern – diese personale Prävention, die der Naturheilkunde wesensimmanent ist, wurde ja bereits anschaulich vorgetragen.
Ergänzend möchte ich Gesundheitsförderung – im Sinne einer Verhältnisprävention – als gesellschaftspolitische Aufgabe thematisieren.
Wir Menschen leben und handeln in vielerlei Strukturen, die Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden nehmen. So ist es fürs Gesundbleiben durchaus von Bedeutung, wie gesund unsere Lebensbedingungen selbst sind, also unsere Umwelt, unsere Nahrungsmittel, unsere Wohnverhältnisse, unsere Arbeitsbedingungen.
Und ob wir ein langes und gesundes Leben führen können, wird entscheidend auch von unserem Sozialstatus mitbestimmt.
Denn  Armut macht krank – auch in unserem Land! Laut epidemiologischer Studien des Robert-Koch-Instituts haben in Deutschland Menschen mit einem niedrigen sozio-ökonomischen Status im Vergleich zu gut Situierten eine deutlich verringerte Lebenserwartung.
Ein brisantes Thema – weist doch unsere Wohlstandsgesellschaft nach dem neuesten Armutsreport über 16 % der Bevölkerung als arm aus; etwa ebenso viele sind an der unteren Einkommensgrenze angesiedelt.
Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten sind in vielerlei Hinsicht einem  gesundheitlichen Ungleichgewicht ausgesetzt, auch was den Zugang zu gesundheitserhaltenden Leistungen und hier insbesondere zu naturheilkundlichen anbelangt.
Sie können sich Naturheilkunde schlichtweg nicht leisten – nicht weil Heilpraktiker kein Bestandteil des Sozialversicherungssystems sind, sondern weil  ein wesentlicher Teil natürlicher Heilmittel, nämlich alle Arzneien der besonderen Therapierichtung (also pflanzliche, homöopathische, anthroposophische) von einer Kassenerstattung ausgeschlossen sind – politisch gewollt.

Erlauben Sie mir einen Blick zurück ins Jahr 2004, als das Gesundheitssystem-Modernisierungsgesetz mit dieser unglückseligen Bestimmung geschaffen wurde:
Vergleicht man die damals verfügbaren biologischen Präparate mit der heutigen Bestandsliste, so sind die dramatischen Verluste bei Naturheilmitteln mehr als deutlich zu erkennen.
Denn in der Folge dieses Erstattungsauschlusses werden naturheilkundliche Arzneien weniger verordnet, da auch das „grüne Rezept“  des Arztes selbst bezahlt werden muss.
Und nicht wenige der meist mittelständischen Biopharmafirmen reduzieren wegen erheblicher Umsatzeinbrüche ihre Herstellung;  und so verschwinden nicht nur Naturheilmittel und die pflanzliche Arzneienvielfalt, sondern auch das Wissen über ihre präventiven und therapeutischen Möglichkeiten und deren empirische Auswertung.
Das ist auch ein Verlust unseres Kulturerbes!

Im Gegenzug gibt es mehr (erstattungsfähige) chemische Präparate auf Rezept, oftmals mit Nebenwirkungen, die selbst Krankheitswert entwickeln und nicht selten in weitere Behandlung münden. Ich darf beispielhaft den nach wie vor hohen Antibiotikaeinsatz erwähnen – auch bei banalen Infekten –, der Mensch, Tier und Umwelt erheblich belastet.

Die Ausgrenzung der Naturarzneien ist schlichtweg kontraproduktiv: sie treibt nicht nur die Kosten – die man eigentlich verringern wollte – hoch, sie schadet letztendlich auch der Volksgesundheit. 
Zudem verfehlt sie das von der WHO formulierte Ziel, Traditionelle Medizin in die nationalen Gesundheitssysteme „als angemessen“ zu integrieren und dafür die erforderlichen Programme einzurichten. Verbunden mit dem Appell, vor allem auch für die ärmere Bevölkerung „den Zugang und die Erschwinglichkeit“ von Traditioneller Medizin zu verbessern; eben um Gesundheitsförderung bezahlbar und vor allem gerechter zu machen.

Und vergessen wir mit Blick auf Prävention als gesamtgesellschaftliches Anliegen nicht, dass pflanzliche Arzneimittel enorme Vorteile haben: Sie sind erneuerbar, umweltverträglich, artgerecht, kostengünstig, nebenwirkungsarm und biologisch wirksam.

Neben den gesundheitlichen Aspekten sind dies Charakteristika, die gerade in Zeiten wirtschaftlich angeschlagener Gesundheitssysteme und angesichts einer durch immer mehr chemische Substanzen belasteten Natur, dringend Gehör finden sollten!

Wir appellieren seit Jahren an die politischen Entscheidungsträger, hier die Weichen anders zu stellen, und wir tun es auch jetzt wieder – getreu dem Naturgesetz: „steter Tropfen höhlt den Stein“

Meine verehrten Damen und Herren,                                                
da hochaktuell und für unseren Berufsstand von Bedeutung, möchte ich einen weiteren Aspekt aus dem Verantwortungsbereich der Gesellschaftspolitik herausgreifen.

Immer mehr Menschen, die Heilpraktiker als Behandler und Berater aufsuchen, geben eine Vielzahl von Belastungen aus ihrer Lebenswelt an, die ihre Zufriedenheit und ihr Wohlbefinden beeinträchtigen.
Zuvörderst sind das die Arbeitsbedingungen unserer Hochleistungsgesellschaft, die erhebliche Auswirkungen auf die psychisch-geistigen Ressourcen der Menschen haben.
Denken Sie an die ständige Verfügbarkeit mittels moderner Kommunikationsmedien, die Entgrenzung des Arbeitslebens ins Private und Hoher Zeitdruck und die daraus resultierende Arbeitsverdichtung sind heute in fast allen Berufen zu finden und lassen wenig Platz für Regeneration. Nicht ohne Grund steigt die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Störungen dramatisch an; inzwischen sind sie die häufigste Ursache von Berufs- und Erwerbsunfähigkeit.

Nun können wir in einer globalisierten Welt solche Bedingungen nicht zurückschrauben oder einfach abstellen. Aber wir können ihre krankmachenden Aspekte erkennen und im Sinne einer salutogenetischen Orientierung Menschen helfen, trotzdem gesund zu bleiben.

Hierzu gibt es eine Reihe traditioneller Heilverfahren, die zur Entspannung und damit zu einer Stressbewältigung beitragen und die als Primärprävention – auch wissenschaftlich – anerkannt sind. Beispielhaft seien genannt fernöstliche Verfahren wie Tai-Chi und Yoga oder mental-körperliche Entspannungstechniken wie Autogenes Training. Von vielen Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern seit Jahren erfolgreich bei psychosomatischen Beschwerden, aber auch zur Vermeidung derselben eingesetzt.
Seit Jahren von den Krankenkassen bei entsprechendem Qualifikationsnachweis auch finanziell unterstützt. Und nun nicht mehr, da der Spitzenverband der GKV beschlossen hat,  eine „Gesamtqualifikation“ vorzugeben, die sich zusammensetzt aus einem (bestimmten) Grundberuf und einer Zusatzausbildung in dem entsprechenden Präventionsverfahren.
Ist der Anbieter im Grundberuf „nur“ Heilpraktiker, dann reicht das nicht, obgleich etwa in der Gruppe der Entspannungsverfahren von einem „Gesundheitsberuf“ die Rede ist.

Nach Ansicht des Instituts der Krankenversicherer gehört der Heilpraktiker nicht zu den anerkennbaren Grundberufen und begründet dies mit dessen fehlender staatlicher Ausbildung.
Das führt dazu, dass Präventionsangebote durch Heilpraktiker trotz entsprechender Qualifikation nicht von den Krankenkassen anerkannt werden. Und es führt aktuell dazu, dass bisher von den Krankenkassen finanziell geförderte Kurse ihre Anerkennung verlieren.

Vor allem Letzteres beklagen davon betroffene Kolleginnen und Kollegen, da sie gegenüber anderen Anbietern benachteiligt werden. Und das umso mehr, wenn in der Liste der anerkannten Grundberufe etliche genannt sind, die mit Gesundheit wenig bis nichts zu tun haben. Da erscheinen etwa Sozialwissenschaftler im Handlungsfeld „Stressbewältigung“ geeigneter als ein Heilberuf. So richtig erschließt sich einem diese Logik nicht.

Die fehlende staatliche Ausbildung für den Heilpraktikerberuf wird regelhaft als Argument herangezogen, wenn es darum geht, dem Berufsstand generell eine Qualifikation abzusprechen.
Dabei wird jedoch außer Acht gelassen, dass Heilpraktiker ein staatlich
anerkannter Heilberuf ist. Die Zulassung zu dem Beruf erfordert umfangreiche medizinische Kenntnisse und Fähigkeiten, die in einer entsprechend anspruchsvollen Überprüfung durch einen staatlichen ärztlichen Vertreter nachgewiesen werden müssen. Darüber hinaus sind Heilpraktiker auch rechtlich zu ständiger Fortbildung verpflichtet. Eine fehlende staatliche Ausbildungsvorschrift kann somit nicht gleichgesetzt werden mit fehlender „Grundqualifikation“.

Auf viel Unverständnis – nicht nur in der Heilpraktikerschaft – stößt diese generelle Ausgrenzung der Heilpraktiker deshalb auch bei Menschen, die vorsorgend etwas für ihre Gesundheit aktiv unternehmen wollen.

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung  verbindet mit dem Heilpraktikerberuf natürliche Heilmittel und Angebote zu einer gesunderhaltenden Lebensweise. Dies belegen Umfragen anerkannter Meinungsforschungsinstitute, wie etwa das Allensbacher Institut, in eindrucksvoller Weise. So wenden sich die meisten der Befragten bei Themen zur Gesundheitsvorsorge und zu natürlicher Lebensweise an eine Heilpraktikerin oder einen Heilpraktiker. Unsere fachliche Kompetenz wird also von der Bevölkerung in einem hohen Maße geschätzt.

Und ausgerechnet Angehörige jener Berufsgruppe, die zu Themen der Gesunderhaltung eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung genießen, werden hier unisono bei der Anerkennung ausgeschlossen. Auch dann, wenn ihre Präventionsangebote qualitätsgesichert sind. Das ist weder der Kollegenschaft noch der interessierten Bevölkerung vermittelbar.

Die Bundesregierung hat nun ganz aktuell den Entwurf eines Präventionsgesetzes auf den Weg gebracht und wir möchten, dass die Berufsgruppe der Heilpraktiker entsprechend Berücksichtigung findet.
Als Berufsverband haben wir uns bereits beim Bundesministerium für Gesundheit eingebracht und wir tun dies auch auf Länderebene, wohl wissend, dass die Vertreter der Bundesländer beim Gesundheitswesen federführend mitentscheiden.

In Bayern wird unser Berufsstand als eine (ich zitiere) „unverzichtbare Versorgungssäule unseres Gesundheitssystems“ gesehen – eine fraktionsübergreifende Gemeinsamkeit der bayerischen Gesundheitspolitiker; und Bayern ist im Bundesrat selten um ein gewichtiges Wort verlegen.

Und so appelliere ich auch ganz besonders an Sie, verehrte Gäste aus der Politik, sich dafür einzusetzen, dass zuvörderst die nachweisbare fachliche Kompetenz über die Anerkennung  von Präventionsleistungen entscheiden soll, und nicht pauschale Diskriminierung.
Für vertiefende Gespräche stehe ich gerne zur Verfügung.

 

Bei den wichtigen Gesundsheitsfragen müssen Heilpraktiker dabei sein
Bericht zur Eröffnung der 83. Tagung für Naturheilkunde in München

Dass sich die diesjährige Tagung von denen in den vergangenen Jahren abheben würde, wurde bereits zu Beginn deutlich: Eröffnet wurde die Tagung mit einem musikalischen Beitrag. Das DuoDenum, bestehend aus den praktizierenden Heilpraktikern Elmar Fritsch und Paul Wagner, hieß die Besucher in bayerischer Tracht und einem eigens komponierten „Gstanzl“ willkommen. In dieser traditionellen alpenländischen Liedform, die sich textlich durch sich reimende, spöttische Vierzeiler auszeichnet, verarbeiteten die beiden Liedermacher gekonnt das Tagungsthema: Ein Wink an die Politik, ein Seitenhieb auf das Gesundheits-, Schul- und Gesellschaftssystem, eine Anekdote zur Entstehung und Wichtigkeit der Volksheilkunde, ein guter Rat zur Prävention und Gesunderhaltung. Damit wäre dann, wie im weiteren Verlauf der Eröffnung auch Kathrin Sonnenholzner von der SPD-Fraktion mit einem Augenzwinkern bemerkte, alles Wesentliche gesagt

Nun geht es bei einer Fachtagung aber natürlich um sehr konkrete, ernste und zukunftsweisende Inhalte und um den Austausch von Argumenten; so nutzten die Redner in ihren Grußworten und Impulsvorträgen die Gunst der Stunde, ihre Standpunkte und Sichtweisen zum Thema „Prävention und Gesunderhaltung – ein Beitrag der Heilpraktiker zur Volksgesundheit“ hervorzuheben.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Heilpraktikerverbandes Bayern Ingo Kuhlmann wurde das Tagungsthema aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Hielt im vergangenen Jahr Ursula Hilpert-Mühlig das Impulsreferat aus berufspolitischer Sicht des Berufsverbandes alleine, teilte sie sich ihre Redezeit auf dieser Tagung mit Tina Haußer, die das Thema aus Sicht der praktizierenden Heilpraktiker beleuchtete.



Sehr emotional begann danach Alois Glück seine Begrüßungsrede. Nach zehn Jahren als Schirmherr der Tagung für Naturheilkunde war diese Veranstaltung seine letzte in dieser Funktion. Es sei an der Zeit, die Verantwortung weiterzugeben an die nächste, politisch noch aktive Generation. Tief persönlich sprach er über seinen Bezug zur Naturheilkunde, den ganzheitlichen Blick auf den Menschen und die Problematik der Evidenzbasierung in unserer wissenschaftlich geprägten Welt: „Das, was Lebensqualität wirklich ausmacht, ist jenseits von Markt und Nachfrage – und häufig jenseits der Kategorien, die wir mit Messen, Wiegen und Zählen erfassen können.“ Als Beispiel nannte er die Schönheit einer Landschaft oder einer Blume, die sich nicht ohne Weiteres messen lasse. Die Gesundheitspolitik, so der ehemalige Präsident des Bayerischen Landtags, sei nicht unbedingt ein Erfolgskapitel. Prävention sei nur mit einer selbstbewussten Mitarbeit des Patienten möglich und letztlich der Schlüssel zu einem bewussten, einem gelingenden Leben. Die Naturheilkunde sei ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Kultur, so der 74-Jährige: „Sie haben etwas beizutragen, lassen Sie sich nicht entmutigen, und ich danke Ihnen für Ihr Engagement.“ Unter lang anhaltendem Applaus verließ Alois Glück das Podium. Als besonderes Abschiedsgeschenk von Frau Hilpert-Mühlig an ihn zum Ende seiner Schirmherrschaft verfassten die beiden Musiker des DuoDenums einen neuen Text auf den bayerischen Klassiker „Paula“, der dann „Alois“ hieß und den der gesamte Saal zum Ende der Veranstaltung gemeinsam sang.

 

Ruth Nowak, Amtschefin des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, unterstrich die Wichtigkeit des Tagungsthemas für ihr Ministerium und die Menschen hierzulande. Die Hälfte der Menschen in Bayern sei zu dick – eine große Herausforderung für alle Gesundheitspolitiker, die sich mit diesen Themen beschäftigen, auch im Hinblick auf die daraus resultierenden Folgeerkrankungen. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, erarbeite das Ministerium momentan den vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer angekündigten „Präventionsplan“. Die Heilpraktiker seien als wichtige Berufsgruppe herzlich eingeladen, zur Umsetzung beizutragen. Schwerpunktthema, so Ruth Nowak, sei in den kommenden beiden Jahren die Kindergesundheit, auch hier sei die Prävention von sehr großer Bedeutung.

Anknüpfend an Nowaks Grußworte äußerte Ursula Hilpert-Mühlig den Wunsch, den Verband zukünftig bereits in der Konzeptionsphase stärker in die Planung mit einzubeziehen. Hier könne die Empirie der Heilpraktiker von enormem Nutzen sein.

 

Die traditionsreiche Tagung sei, so der neue gesundheitspolitische Sprecher der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, Bernhard Seidenath, genauso wie das Engagement des Berufsverbandes insgesamt, nicht aus der gesundheitspolitischen Landschaft wegzudenken. Wenn es um die wichtigen gesundheitspolitischen Fragestellungen unserer Zeit gehe, dann müssten die Heilpraktiker dabei sein. Mit Blick auf den Gesetzentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium wies Seidenath auf die Aktualität des Tagungsthemas hin. Momentan komme das Wort „Heilpraktiker“ im Entwurf gar nicht vor, das Wort „ganzheitlich“ lediglich einmal. Hier sei noch deutlich „Luft nach oben“, denn kaum ein Gesundheitsberuf sei so prädestiniert für die Gesunderhaltung wie der der Heilpraktiker. Schließlich hätten sie den Menschen immer als Ganzes im Blick. Trotzdem, so seine persönliche Einschätzung, lasse sich auch in der Allgemeinmedizin ein Paradigmenwechsel hin zur Ganzheitlichkeit erkennen. Als Beispiel führte er die sogenannte 4-P-Medizin an: personalisiert, prädiktiv, präventiv, partizipierend. Die Heilpraktiker seien dabei klar in der Vorreiterrolle. Die Mitarbeit des Patienten, Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen, sei dabei zentraler Punkt und decke sich mit den Ansichten seiner Partei: „Ich bin davon überzeugt, nur wenn wir den Menschen als Ganzes und die entsprechenden Krankheitsursachen sehen, kann der Mensch im wahren und echten Sinne geheilt werden, nur dann kann die Gestaltung eines zukunftssicheren Gesundheitssystems gelingen.“

 

In der Überleitung zur nachfolgenden Rednerin brachte Frau Hilpert-Mühlig ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass die ganzheitliche Sichtweise, wie sie dem Heilpraktiker wesensimmanent ist, in der Politik immer stärker als dem Beruf des Heilpraktikers zugehörig wahrgenommen werde. Damit übergab sie das Wort an Kathrin Sonnenholzner, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD.

Auch ihre Fraktion werde sich auf Bundesebene dafür einsetzen, die Rolle der Heilpraktiker, im Besonderen auch bei präventiven Angeboten, zu stärken. „Idealerweise findet Prävention so statt, dass Sie als Angehörige eines Heilberufes gar nicht damit befasst sind, weil es in der Gesellschaft schon vorher passiert.“ Zwei Forderungen, die sich für die SPD-Fraktion daraus ergäben, seien zum einen mehr Sport in der Schule und zum anderen die Prävention in Bezug auf schlechte Ernährung, im Speziellen die Begrenzung des Zuckeranteils in Nahrungsmitteln, die gezielt für Kinder hergestellt werden. Die eigentliche Aufgabe sei es, die Personen zu erreichen, denen ein Bewusstsein für diese Problematik fehle.

 

Eine Premiere war die Tagung für Hubert Aiwanger, den Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler im Bayerischen Landtag. In seinem Grußwort stellte er den ganzheitlichen Ansatz in den Mittelpunkt, den die Politik seiner Meinung nach mehr und mehr aus den Augen verliere. Prävention müsse bei den Kindern in der Schule beginnen. Es folgte ein kritischer Blick auf Themen von der nicht vorhandenen Gleichberechtigung von Schulmedizin und Naturheilkunde über den mangelnden Einfluss der Politiker auf die Politik der Krankenkassen bis zur fehlenden staatlichen Unterstützung für wissenschaftliche Studien in der Naturheilkunde. „Früher spielten der Medizinmann, die Kräuterfrau eine große Rolle in einer Gesellschaft. Wir müssen lernen, wieder auf unseren Körper zu hören; und da gehören Sie als Heilpraktiker ganz zentral dazu.“ Seinen Schlussappell richtete Aiwanger dann an seine Kollegen aus der Politik: „Wir müssen sie [die Heilpraktiker, Anm. d. Redaktion] ernster nehmen, als sie derzeit genommen werden – sie haben es verdient.“

 

Für Bündnis 90/Die Grünen war Ulli Leiner zum ersten Mal auf der Herbsttagung anwesend. Gekonnt griff er den von seinem Vorredner postulierten Titel der Medizinfrauen und -männer auf, um zu unterstreichen, welchen Stellenwert der Beruf der Heilpraktiker in seinen Augen habe. Die besondere Rolle der Naturheilverfahren in der Medizin sei bei Weitem noch nicht so anerkannt, wie sie es eigentlich sein müsste. Pro Versicherten würden die Krankenkassen für die Prävention lediglich 3,50 € ausgeben – und zwar pro Jahr! Damit unterstrich Leiner den Gedanken Hilpert-Mühligs aus ihrem Impulsvortrag. Im Hinblick auf die häufig vorgetragene Kritik an den nicht vorhandenen Ausbildungsstandards auf dem Weg zum Heilpraktiker bat Ulli Leiner die Verbände um eine verstärkte Arbeit an dieser Thematik.

Diese Anregung griff Ursula Hilpert-Mühlig direkt in ihrer Überleitung zum nächsten Redebeitrag auf und verwies Leiner auf die Vielschichtigkeit dieses Themas, die sie aber gerne mit ihm weiterführend diskutieren wollte.

 

Als Stadt mit den meisten Heilpraktikern in Deutschland habe München einen besonderen Stellenwert. Als Vertreter der Gastgeberstadt sprach Klaus Peter Rupp die Begrüßungsworte. Er skizzierte die Herausforderungen, denen eine Großstadt wie München gegenübersteht und zeigte die vielen freiwilligen Projekte auf, die bereits durchgeführt würden. Den Schwerpunkt seiner Rede bildete die Fragestellung, welche Präventivmaßnahmen an welchen Orten Sinn ergäben. Je nach Stadtteil müssten andere Angebote geschaffen werden – zugeschnitten auf die dort lebenden Menschen. Dies seien wichtige Aspekte, die im Präventionsgesetz berücksichtigt werden müssten.

 

Alle Vertreter der Politik hoben unisono die Wichtigkeit des Heilpraktikerberufes hervor, verwiesen immer wieder auf die fehlende bzw. sich gerade in der Gesellschaft abzeichnende Zuwendung zur Ganzheitlichkeit und sicherten wiederholt ihr politisches Engagement zu.

 

Den letzten Redebeitrag übernahm Joachim Lorenz, Referent für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München. Auch für ihn ist der Entwurf zum Präventionsgesetz momentan eine große Enttäuschung: Weder die Heilpraktiker noch die Kommunen würden ausreichend berücksichtigt. „Und gerade wenn es um Verhältnisprävention geht, sind diese beiden Parteien besonders gefragt“, so Lorenz. Es sei ein sehr wichtiger Zeitpunkt, um gemeinsam Einfluss auszuüben. „Lassen Sie uns zusammenarbeiten, lassen Sie uns gemeinsam entsprechende Stellungnahmen ausarbeiten.“

 

Im Hinblick auf das bevorstehende Gesetz hätte das Thema der 83. Tagung für Naturheilkunde aktueller nicht sein können – und man kann in vielerlei Hinsicht sagen, dass von München aus ein optimistisches Signal gesandt wurde: für mehr Kooperationen, mehr Ganzheitlichkeit und gemeinschaftliches Engagement. Zusammen, für die Prävention und Gesunderhaltung der Menschen hierzulande.

Daniel Brunner

(Bericht mit freundlicher Genehmigung des Pflaum-Verlages -> Naturheilpraxis.de )

Politik meets Heilpraktik
 

 
82. Tagung für Naturheilkunde

Wir danken allen Teilnehmern, Referenten und Mitarbeitern
für den großen Erfolg dieser Tagung

 

Unsere Tagung

Die Münchner „Tagungen für Naturheilkunde“ sind seit über 50 Jahren Anziehungspunkt für Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker aus ganz Deutschland.  Auch in diesem Jahr wurden die hochkarätigen Workshops und Vorträge von über 1100 Teilnehmern besucht, die biopharmazeutische Industrie und Medizinproduktehersteller stellten an über 120 Ständen ihre Produkte vor.
Ebensolche Tradition wie die Tagung selbst ist die Eröffnungsveranstaltung, zu der die Gesundheitspolitiker aller Parteien sowie Vertreter der Staatsregierung und der Stadt München zu Gast sind. Im Mittelpunkt steht ein berufs- und gesundheitspolitisches Referat, mit dem der Heilpraktikerstand die Anliegen seines Berufes sowie wichtige Themen des Gesundheitswesens anspricht.
Referat von Ursula Hilpert-Mühlig, 1. Vizepräsidentin des FDH-Bundesverbandes, stellv. Vorsitzende des Heilpraktikerverbandes Bayern -> hier
Bericht über die Eröffnung mit Grußworten der Politiker von Dr. Christian Ullmann -> hier

82. Tagung für Naturheilkunde in München: „Chronische Krankheiten – aktueller denn je“

Berufspolitisches Referat von Ursula Hilpert-Mühlig

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

In seinem Grußwort zu unserer Tagung bezeichnet der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer chronische Krankheiten als eine "Geißel unserer Zeit".
Nach einer Einschätzung des Robert Koch Instituts in Berlin zählen sie heute in den Industriestaaten "zu den häufigsten und gesundheitsökonomisch bedeutsamsten Gesundheitsproblemen".
Diese auffällige – für uns befremdliche – Betonung der ökonomischen Seite chronischer Krankheiten bedeutet im Klartext, dass diese Leiden sehr viel Geld kosten und damit auch die Sozialsysteme sowie die Produktivität der Volkswirtschaft leiden.

Und darüber hinaus stellt diese oberste Gesundheitsbehörde unseres Landes fest:
"Im Zuge des medizinischen Fortschritts und des demographischen Wandels treten zunehmend Mehrfacherkrankungen auf, insbesondere im höheren Alter."

Ich frage Sie, meine Damen und Herren: Was ist das für ein Verständnis von medizinischem Fortschritt, der Menschen in immer größerer Zahl in die Multimorbidität führt? 

Solche Mehrfacherkrankungen führen nach den Kriterien der Schulmedizin regelmäßig zu Verschreibungen einer Vielzahl von Arzneimitteln, der sogenannten Polypharmazie.
Die Medikation der verschiedenen medizinischen Disziplinen, die solche Patienten in aller Regel durchlaufen, beträgt nicht selten mehr als ein Dutzend Arzneimittel täglich.

Diese Patienten kommen auch in die Praxen von Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern; nicht zuletzt weil sie unter einer Summierung vielfältiger Arzneinebenwirkungen leiden. Und das Gebot ist, zunächst die Zahl der Medikamente kontrolliert zu reduzieren.
Nicht nur für uns Heilpraktiker gehören solche Aufgaben zu den fachlich schwierigsten Fällen. Auch viele Hausärzte sehen sich mit den Folgen dieser Polypharmazie allein gelassen.
Denn die sonst so breit aufgestellte Wissenschaft bietet keine zuverlässigen Anleitungen, ja nicht einmal Anhaltspunkte wie und in welcher Reihenfolge sich diese Flut von Präparaten verringern ließe.

Jedenfalls versagen in solchen Fällen des Praxisalltags alle Postulate nach evidenzbasierter, in kontrollierten Doppelblindstudien angeblich bestätigter Medizin.
Als einigermaßen gesichert erscheint nur, dass unterschiedlich große Anteile der Multimorbidität aus unerwünschten Wirkungen zuvor verschriebener Dauermedikationen bestehen – also „hausgemacht“ sind.
Die übliche Neuverordnung von weiteren Arzneimitteln, um diese Nebenwirkungen erträglicher zu machen, führt zu weiteren Beeinträchtigungen – ein Teufelskreis, der nicht selten in medikamentenbedingte Toxikose mit Zusatzleiden führt.

Trotzdem werden solche chronisch Kranken "glücklicherweise" – wie auch von Gesundheitspolitikern regelmäßig betont wird – immer älter; ihr Leben könnte dank der Möglichkeiten der heutigen Medizin nahezu unbegrenzt verlängert werden.

Dass die Betroffenen selbst diese Art von Lebensverlängerung nicht als persönlichen Glücksfall empfinden wollen, zeigt die Tatsache, dass inzwischen die Zahl der Patientenverfügungen zur Vermeidung von "Leben um jeden Preis"  beträchtlich angestiegen ist.

Ich will hier nicht bestreiten, dass die Wahrscheinlichkeit, mit zunehmendem Alter für  körperliche und geistige Gebrechen anfälliger zu sein, steigt.  Aber es gibt keine naturgesetzliche Notwendigkeit, dass damit der Weg in die Pflegebedürftigkeit bis hin zur Heimunterbringung vorgezeichnet ist.
Die Menschen, die mit bewusster Lebensführung und mit individueller Beratung ein hohes Alter bei guter Gesundheit erreichen, sind längst noch nicht ausgestorben.
Und daran müssen wir uns orientieren!
Das heißt, über die Ausübung der Heilkunde hinaus zur präventiven Erhaltung der Gesundheit von Patienten beizutragen. Das ist eines der wesentlichen Postulate der Naturheilkunde, der wir uns entsprechend unserem Berufsethos zutiefst verpflichtet fühlen.

Heilungsprozesse vollziehen sich im Alter in der Regel langsamer als in jungen Jahren, ohne dass man die Beschwerden voreilig als "chronisch" einschätzen und mit stark wirkenden Arzneimitteln intervenieren muss. Auch dem tragen wir Heilpraktiker Rechnung, indem wir – dem Selbstverständnis der Naturheilkunde folgend – auf die individuellen Gegebenheiten unserer Patienten eingehen. Das erfordert Zeit und Zuwendung, die wir gerne einbringen und die für jeden heilenden und helfenden Beruf selbstverständliche Haltung sein sollte.

Wenn über chronische Krankheiten gesprochen wird, richtet sich der Blick einseitig auf die immer älter werdende Bevölkerung. Tatsächlich aber waren noch nie so viele Kinder von chronischen Krankheiten betroffen.
Zwar verzeichnen wir einen Rückgang der klassischen Kinderkrankheiten, dafür sind wir konfrontiert mit einer Zunahme an mangelnder Immunkraft, die für eine vitale Selbstheilungsreaktion jedoch unabdingbar ist.
Auch hier ist leider vieles von der Medizin „hausgemacht“, denken wir in etwa an zu frühe, zu häufige und nicht selten auch überflüssige Gaben von Antibiotika. Dazu gibt es längst zahlreiche Studien in verschiedenen Ländern (randomisiert kontrolliert und doppelverblindet), die belegen, dass beispielsweise die Zunahme von Asthma – als die am meisten verbreitete chronische Krankheit bei Kindern – mit dem Antibiotika-Gebrauch im Säuglings- und frühen Kindesalter signifikant korreliert; ebenso die Zunahme von Allergien und chronischen Hauterkrankungen.
Diese evidenzbasierten medizinischen Erkenntnisse finden jedoch wenig bis keinen Niederschlag im schulmedizinischen Alltag. Und auch die vielfachen wissenschaftlichen Belege über antibiotisch wirksame Pflanzenstoffe, die nicht unterdrückend in das Immunsystem eingreifen, werden dort nicht beachtet.
 
Zwischen dem Lebensabschnitt des Alters und dem der Kinder- und Jugendzeit gibt es noch die sogenannte „Sandwich-Generation“, die – wie wollen wir sie nennen? Erwerbstätige Erwachsene.
Hier erleben wir eine erschreckende Zunahme an chronischen psychischen Erkrankungen wie etwa Depression und Angststörungen; das lässt sich an den Verkaufszahlen von Antidepressiva und Beruhigungsmitteln ablesen, und auch am Anstieg der Suizidrate.

Das Mit-halten-wollen oder -müssen in einer zunehmend gesundheitsgefährdenden Gesellschaftsstruktur (Dauerstress, Konkurrenzkampf, Arbeitsplatzsorgen, ständige Verfügbarkeit, zerbrechende Familienstrukturen u.ä.m.), dieses Dauerfitsein wird nicht selten mit leistungssteigernden Medikamenten aufrechterhalten – Doping für den Alltag auf Rezept.
Es lässt sich vorausahnen beziehungsweise ist auch schon vielfach belegt, dass chronische Lebensbelastungen sowie die Flut von chemischen Präparaten die Krankheitsbereitschaft insgesamt – das heißt körperlich und seelisch, und im Übrigen auch geistig – erhöht und chronische Verlaufsformen begünstigen.

Kritische Stimmen – und das sind durchaus auch Wissenschaftler – sprechen davon, dass dieser „medizinisch-industrielle Komplex“ (ein Begriff des bekannten Philosophen Ivan Illich) die Menschheit an ihrer genetischen Ausstattung trifft und irreversibel schädigen kann.
Solche epigenetischen Vorgänge sind ebenfalls vielfach belegt und sie haben zudem Auswirkungen auf die Folgegenerationen.
Im Übrigen schon vor gut 200 Jahren vom Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, erkannt und in seinem Hauptwerk „Die chronischen Krankheiten“ als vererbbare miasmatische Belastungen beschrieben.

Erstaunlicherweise sind nun wir Heilpraktiker (denen man ja keinen Schmusekurs zur Wissenschaft nachsagt) diejenigen, welche die Erkenntnisse aus diesen Studien, dieses evidenzbasierte Wissen in praxi umsetzen. Denn diese Erkenntnisse entsprechen dem Paradigma der Naturheilkunde, das unter anderem besagt, dass jedem lebenden Organismus  vitale Selbstheilungskräfte zu eigen sind, die es mit naturgemäßen Mitteln zu fördern gilt: also Therapie für die Lebenskraft, für ein lebensgerechtes Milieu, und nicht antipathisch nur auf Symptome gerichtet und damit die Lebenskraft schwächend. Und die vielfältigen Heilerfolge oder bleibende Linderung von Beschwerden geben dieser Denkweise durchaus Recht.

Obwohl jene natur- und erfahrungsheilkundlichen Methoden, die unser Berufsbild prägen, in der Bevölkerung große, und weiterhin wachsende Zustimmung finden (lt. demoskopischer Umfragen über 70% der Bürger), werden sie von vielen Vertretern der konventionellen Medizin und selbsternannten Skeptikern, aber auch in meinungsbildenden Medien und Talkshows als "unwissenschaftlich" diskreditiert oder – die Homöopathie betreffend – sogar als „Lüge" plakativ herabgewürdigt.

Leider finden sie damit auch Resonanz unter Politikern, wie aus einer erst kürzlich gestellten Anfrage einer Bundestagsfraktion an den Bundestag hervorgeht mit der Überschrift: "Komplementärmedizin – Forschung und Anwendung in Deutschland"
Darin heißt es, dass sich die "Angebote (der Komplementärmedizin) dadurch auszeichnen, dass ein wissenschaftlicher Nachweis ihrer Wirksamkeit regelmäßig nicht vorliegt" und "die Wirkung zahlreicher Methoden und Konzepte der Komplementärmedizin in erster Linie auf Placebo-Effekten beruht".
Eine solche pauschalisierende Unterstellung ist natürlich außerordentlich fragwürdig.

Das Wissen beispielsweise über Heilpflanzen und deren Inhaltsstoffe genügt auf breiter Basis höchst anerkannten Kriterien der Wissenschaftlichkeit. Ich weise hier nur auf das umfangreiche Lebenswerk des Münchner Professors Hildebert Wagner vom Zentrum für Pharmaforschung und Pharmazeutische Biologie der Universität München hin, dessen Verdienste mit insgesamt fünf Ehrendoktor-Titeln gewürdigt wurden.

Die osteopathische Therapie ist in den USA und einigen europäischen Ländern eine akademische medizinische Disziplin. Osteopathen arbeiten dort gleichberechtigt mit konventionellen Medizinern in Kliniken zusammen.
Allein in den USA wird die komplementärmedizinische Forschung aus staatlichen Mitteln mit jährlich etwa 125 Millionen Dollar gefördert. Diese Mittel fließen zum Großteil in weltweit führende Universitäten und Kliniken wie Harvard und die Mayo Clinic, die nicht gerade dafür bekannt sind, dass sie Placebo-Phantomen nachjagen.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie über die Fülle wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse im Bereich der komplementären und alternativen Medizin hinweggegangen und entgegen aller prüfbaren Tatsachen deren Unwissenschaftlichkeit behauptet wird.
Gleichzeitig erstaunt es aber auch, dass gesicherte Erkenntnisse über medizinische Fehlentwicklungen, über offensichtliche gesundheitsbeeinträchtigende Auswirkungen zu vieler Arzneimittelgaben zu keinem erkennbaren Umdenken beitragen.

Aber ein derart ignorantes Verhalten ist in vielen Wissenschaften leider nicht außergewöhnlich. „Wissenschaftler seien eben auch nur Menschen“, stellte ein bekannter Wissenschaftssoziologe einmal fest, und die Quellen ihres Widerstandes gegen wissenschaftliche Forschung – der ja oftmals paradox anmutet – seien eher religiöser und ideologischer Natur als rationaler Abwägung.
Das sollte nicht unberücksichtigt bleiben, wenn sie als Experten ihres Fachs wegweisend werden und ihre Äußerungen dann als „Maß aller Dinge“ gelten – was sich ja durchaus auch in gesundheitspolitischen Entscheidungen niederschlägt. Politiker sind nicht zwingend auch
Fachleute, sie sind oftmals fachliche Laien und daher auf Expertenmeinung angewiesen. Und da hat die jeweilige Besetzung eines Beratergremiums durchaus Einfluss.

Während Wissenslücken in den meisten Wissenschaften nicht als sonderlich bedrückend empfunden werden – etwa die letzten Einsichten in den Urknall oder die Todesursachenforschung altägyptischer Mumien –, verbergen sich hinter den Erkenntnislücken der Medizin in aller Regel kranke, leidendeMenschen, die in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind. Menschliches Leid – auch und gerade in Form chronischer Krankheiten – nimmt bedauerlicherweise keine Rücksicht auf den jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis.

Viele der Patienten, die eine Heilpraktiker-Praxis aufsuchen, tun dies nicht wegen einer romantischen naturheilkundlichen Schwärmerei, sondern nach einem oft langen und auch leidvollen Weg durch die Instanzen der Schulmedizin. Sie kommen auf Empfehlung oder inspiriert durch positive Berichte im Bekannten- oder Arbeitskollegenkreis.  Und nicht selten können wir mittels unserer unkonventionellen medizinischen Herangehensweise tatsächlich zu einer Linderung der Beschwerden oder gar zur Heilung beitragen.

Naturheilkunde und Wissenschaft – passt das zusammen? Warum nicht? Wie ich bereits ausführte, wissen wir  als Heilpraktiker sehr wohl wissenschaftliche Erkenntnisse zu schätzen, insbesondere wenn sie durch methodisch nachvollziehbare Studien und frei von einseitiger dogmatischer Sichtweise und von Lobbygruppen unabhängigen Forschungseinrichtungen erhoben sind. 

Nicht anfreunden können wir uns hingegen mit Aussagen, die angebliche Mängel naturheilkundlicher Methoden mittels einer oberflächlichen Abfrage in einer medizinischen Datenbank für Zeitschriftenliteratur festgestellt.
Und mit Hinweisen auf angeblich randomisierte Doppelblindstudien, die irgendwo auf dieser Erde vorgenommen worden waren und deren diagnostische Grundlagen wir nicht überprüfen können, wird dann angeblich bewiesen, dass die vom Patienten so empfundenen Besserungen gar nicht evidenzbasiert sein können und deshalb als Fiktion zu werten sind oder bestenfalls auf Placebo-Effekten beruhen; ergo der Patient irrt, wenn er sich besser fühlt.
Solche Methoden liegen nicht selten medienwirksamen Aufbereitungen zugrunde und gipfeln dann in Forderungen, dass Patienten vor solchen Behandlungen geschützt und Behandler, die solche Methoden anwenden, eingeschränkt gehören. Und solche Forderungen machen auch vor der Politik nicht halt.

Spätestens jetzt wird die Angelegenheit zu einem Demokratie-Problem für mündige Bürger, die ihre Patientenrechte wahrnehmen wollen. Nämlich die freie Entscheidung für Behandler ihrer Wahl und für Therapiemethoden, von denen sie erlebt haben, dass sie ihnen guttun, die von einer Mehrheit der Bevölkerung als günstig bewertet werden.

Meine verehrten Damen und Herren,
Die Anerkennung naturheilkundlicher, komplementärer und alternativer Medizin ist uns ein großes Anliegen. Aus humanitären Gründen, und um deren Erhalt zu sichern.
Hier kann die Politik durchaus Akzente setzen. Sie kann die Rahmenbedingungen vorgeben, in dem sie Lobbyisten-unabhängige Forschung entsprechend fördert.

Und sie könnte sich auch dafür einsetzen, dass Experten aus der Erfahrungsheilkunde – also solche, die in zum Teil jahrzehntelanger Praxistätigkeit empirisch gewonnenes Wissen über Wirkung naturheilkundlicher Methoden beisteuern können – , dass diese gleichberechtigt neben denjenigen Wissenschaftlern zu Wort kommen, die ihre Kenntnisse aus Statistiken und Metaanalysen beziehen, ohne je selbst Patienten naturheilkundlich oder wie auch immer behandelt zu haben.

Wir Heilpraktiker stehen – als die Erfahrungsheilkundler auf diesem Gebiet – dafür gerne zur Verfügung.
 

Politik meets Heilpraktik

 

Heilpraktiker sind unverzichtbare Säule des Gesundheitssystems

 

Bericht über die Eröffnung der 82. Tagung für Naturheilkunde

In Bayern leben rund eine Million Männer und Frauen, die wegen einer Diabetes-Erkrankung in ständiger medizinischer Behandlung sind. Und die Dunkelziffer jener, die wahrscheinlich selbst nichts von ihrer Krankheit wissen, wird auf 400.000 geschätzt. Und um diese Dunkelziffer zu senken, sieht Ministerialrat Professor Dr. Wolfgang Caselmann, der im neuen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege das Referat für medizinische Fachangelegenheiten, Gesundheitsförderung und Prävention leitet, "wesentliche Ansatzpunkte für die Naturheilkunde und für Sie als Heilpraktiker mitzuwirken". 
Zur Eröffnung der 82. Tagung für Naturheilkunde am 16. November 2013 in München, die unter dem Schwerpunktthema "Chronische Krankheiten - aktueller denn je" stand, überbrachte Caselmann nicht nur die guten Wünsche der neuernannten Gesundheitsministerin Melanie Huml, einer approbierten Ärztin, sondern er gab auch bekannt, dass im Rahmen der Gesundheitsinitiative "Gesund.Leben.Bayern" der Bayerischen Staatsregierung im kommenden Jahr die "Prävention des Diabetes" zum Schwerpunktthema gewählt wurde. An den Heilpraktikerverband gerichtet "ich lade Sie herzlich ein, sich am Jahresschwerpunkt 2014 zu beteiligen“ wurde – wie im letzten Jahr auch,  aktive Mitarbeit nachgefragt.

Dieser Einladung verlieh Joachim Unterländer, im neuen Landtag für die CSU-Fraktion Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration, besonderen Nachdruck: "Wenn von Diabetes als einer der Geißeln der Menschheit gesprochen wird, denn können Sie . . . in der Prävention einen ganz wesentlichen Beitrag leisten." Unterländer kündigte neue "gesundheitspolitische Überlegungen zu einem bayerischen Präventionsgesetz" an, und in diesem Rahmen könnten "Therapiekonzepte in ihrer Gesamtheit nicht ohne die Naturheilkunde, in Bayern nicht ohne den Heilpraktikerverband, diskutiert und umgesetzt werden. Und deshalb müssen wir Sie hier einladen.“

Für die SPD-Fraktion betonte deren gesundheitspolitische Sprecherin Kathrin Sonnenholzner, Vorsitzende des Landtagsauschusses für Gesundheit und Pflege, sie freue sich "ganz besonders, dass dieser Schwerpunkt 2014 Diabetes heißt, aber mit einem Schwerpunktjahr wird es nicht getan sein." Die vorgesehenen Initiativen zur Diabetes-Prävention müssten vielmehr "dauerhaft etabliert und verbessert" werden. Und über die Diabetes-Herausforderungen hinaus meinte die Ärztin: "Wir brauchen tatsächlich mehr Geld in diesem Gesundheitssystem dafür, dass Krankheiten vermieden werden."

In ihrer Zwischenmoderation der Politiker-Statements meinte Ursula Hilpert-Mühlig, 1. Vizepräsidentin des FDH-Bundesverbandes, direkt an Professor Caselmann gerichtet: "Wir nehmen Ihr Angebot zur Mitarbeit am Themenschwerpunkt Diabetes gerne an; und ich freue mich, Sie im neuen Gesundheitsministerium auch weiterhin als Ansprechpartner zu haben."
Aber der Komplex der chronischen Krankheiten geht weit über die Volkskrankheit des Diabetes hinaus. In ihrem Eröffnungsreferat (Wortlaut obenstehend) hatte Frau Hilpert-Mühlig an einer befremdlichen Definition des Begriffs der chronischen Erkrankungen durch das Robert-Koch-Institut angeknüpft, wonach sich diese "im Zuge des medizinischen Fortschritts und des demographischen Wandels" zunehmend als Multimorbidität manifestierten, die wiederum mit einer Vielzahl höchst unterschiedlicher Arzneimittel, der sogenannten Polypharmazie, schulmedizinisch behandelt würden. Die Verminderung der Zahl dieser Medikamente gehöre zu den schwierigsten Aufgaben der Heilpraktiker/innen. Die den Kriterien der Evidenzbasierung genügende wissenschaftliche Medizin biete hierzu wenig Ansatzpunkte. Andererseits würden eindeutige Belege der Evidenz, wie etwa die viel zu häufigen Antibiotika-Verschreibungen trotz erwiesener Resistenz von den Ärzten regelmäßig ignoriert.

Daran knüpfte Unterländer mit der Bemerkung an, für ihn sei "ein ganz entscheidendes Kriterium nicht nur die evidenzbasierte wissenschaftliche Erkenntnis, sondern was den Menschen hilft". Unter starkem Beifall meinte Unterländer weiter: "Wenn seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten bestimmte pflanzliche Produkte oder bestimmte Methoden in der Therapie einen Nutzen für die Menschen haben, dann kann das nicht in das Reich des Zufalls und der Scharlatanerie zurückgewiesen werden. Das ist wahrhaft interessengeleitet und entspricht nicht den Willen der Menschen."
Dass diese Wahrnehmung im politischen Leben – gerade auch in Bayern – eine solche Rolle spielt, sei auch, so fuhr Unterländer fort, „dass Verdienst einer sehr nachhaltigen und wirksamen Interessenvertretung in den gesundheitspolitisch nahen Gremien durch Ihren Verband und in besonderer Weise durch Ihre Vorsitzende, Frau Hilpert-Mühlig“.
Diese besondere Aufmerksamkeit, die den Heilpraktikern in Bayern entgegengebracht wird, betonte auch Professor Caselmann: „Ich sehe selten einen Kongress mit so vielen Grußworten von renommierten und allerhöchst platzierten politischen und wissenschaftlichen Persönlichkeiten, auch des öffentlichen Lebens“. Und daraus sei zu entnehmen, „dass sich alle Fraktionen einschließlich des bayerischen Gesundheitsministeriums den Austausch mit den Heilpraktikern wünschen und ihre Arbeit sehr schätzen“.

Bei allen fraktionsübergreifenden Gemeinsamkeiten in manchen gesundheitspolitischen Fragen bekannte Kathrin Sonnenholzner: "Ich bin schon eine Freundin der Evidenzbasierung in alle Richtungen. . . Ich glaube, dass der Weg nicht sein kann, dass wir sagen, in allen Bereichen der Medizin wollen wir Evidenzbasierung, aber in der Naturheilkunde verzichten wir darauf."
Ihrer Ansicht nach sind auch Naturheilkunde-Studien unerlässlich, denn „nur so sind sie auch auf Augenhöhe mit den anderen Disziplinen“.

Mit Blick auf eine frühere Kampagne des Gesundheitsministeriums zum Thema Männergesundheit beklagte die Ärztin: "Die Schulmedizin ist immer noch auf den durchschnittlichen gesunden 40-jährigen Mann ausgelegt und nicht auf große Differenzierung." Sie sieht einen erheblichen "Nachholbedarf in der Frage der frauenspezifischen Medizin" und würde sich einen "Schwerpunkt Frauengesundheit" wünschen. Doch hier bleibt unberücksichtigt, dass die wissenschaftlichen Studien, welche die Evidenzbasierung belegen sollen, also "randomisierte kontrollierte Doppelblindstudien" und "Metaanalysen", in aller Regel krankheitsbezogen sind und nicht geschlechtsspezifisch. Und wenn Patientinnen und Patienten nach Zufallsprinzipien, also "randomisiert" in bestimmte Gruppen eingeteilt werden, dann ist das mit geforderten Differenzierungen schwer zu vereinbaren.

Als Vertreter der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen griff  deren stellvertretender Vorsitzende Thomas Gehring das Stichwort auf und meinte, die Evidenzbasierung sei "sicherlich wichtig; aber dann muss auch das Kriterium der Nachfrage der Patienten, Zufriedenheit und Wohlbefinden der Patienten ein wichtiges Kriterium sein." Bei den Problemen der Polypharmazie konnte Gehring auf das Beispiel seiner betagten Eltern und deren verschriebenen Tablettenkonsum verweisen und plädierte für "einen ganzheitlichen Ansatz und nicht die chemischen Hämmer". Und weiter: "Wir müssen uns wieder auf eine Medizin besinnen wie die Naturheilverfahren, die besagen: nicht viel hilft viel, sondern regelmäßig hilft viel."

Von den Gesundheitspolitikern wurde ein weiterer Hinweis von Ursula Hilpert-Mühlig aufgegriffen. Sie hatte betont dass in neuerer Zeit die Zahl der Kinder und Jugendlichen deutlich ansteigt, die unter chronischen Erkrankungen zu leiden haben und darauf hingewiesen, dass dies unter anderem – und ebenfalls evidenzbasiert – auf Antibiotika-Medikationen kurz nach der Geburt und in den ersten Lebensjahren zurückzuführen sei.

Auf diesen Aspekt gingen vor allem die beiden Bildungspolitiker, Professor Dr. Michael Piazolo, hochschulpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion und Generalsekretär der Freien Wähler Bayern, und Thomas Gehring ein. Piazolo bestätigte, "dass in den letzten zehn Jahren die Krankheitsrate, und gerade auch chronische Krankheiten bei Kindern, um circa ein Drittel zugenommen hat". Er sieht einen Zusammenhang mit dem durch die Einführung des achtjährigen Gymnasiums verstärkten Schulstress. Es sei für ihn "erschreckend, wenn so viele  Mediziner, Eltern aber auch Kinder dann zu Ritalin greifen. Das ist unglaublich; das sag ich einfach, in diesem Alter, um vielleicht in einem Gymnasium die Schulleistung zu stärken, hier zu diesem Arzneimittel zu greifen. Und ich glaube, dass da auch eine Aufgabe für Ihren Verband ist, hier hemmend zu wirken."

Gehring räumte zwar ein, dass persönliches Fehlverhalten vieler Menschen zur Entstehung chronischer Krankheiten beiträgt. Aber er sieht auch "umweltbedingte Gründe, zivilisatorische Gründe und auch gesellschaftliches Fehlverhalten, zu deren Verminderung viele Politikbereiche gefordert seien und "berufsübergreifende Teamarbeit" im Gegensatz zu dem vorherrschenden "berufsständischen Wesen im Medizinbereich".

Als Ursula Hilpert-Mühlig schließlich die CSU-Stadträtin Eva Caim um ein Grußwort für die Landehauptstadt München bat, meinte diese, sie habe dieses Grußwort spontan "etwas gekürzt, weil die hochkarätigen Vorredner ganz vieles schon gesagt haben, was ich nicht wiederholen will". Gleichwohl waren die Ausführungen der Krankenschwester mit langjähriger Berufserfahrung von hohem Interesse. Ihre Berufstätigkeit hatte Frau Caim im Jahre 1967 im Krankenhaus München-Harlaching – völlig schulmedizinisch ausgerichtet – begonnen. Schon damals gab es auf dem Klinikgelände auch das Krankenhaus für Naturheilweisen, über das man damals despektierlich vom "Grashaus da drüben" gesprochen habe. Aber im Laufe eines langen Berufslebens habe sie die Naturheilkunde immer mehr schätzen gelernt. Heute ist sie als Stadträtin im Aufsichtsrat der Städtischen Klinikum GmbH, in der die städtischen Krankenhäuser Münchens zusammengefasst sind, und im Stiftungsvorstand des Krankenhauses für Naturheilweisen, und das verleiht ihren Ausführungen zusätzliches Gewicht. Sie meinte: "Ich bin überzeugt davon, dass gerade die Naturheilmedizin die Lebensqualität von Menschen ganz erheblich beeinflussen kann. Ich selbst nehme sie gerne selbst in Anspruch. Es ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit: An der Nahtstelle zwischen Schul- und Naturheilmedizin darf es keine Gräben geben.  Die müssen geschlossen werden, und was ich beobachte in den letzten Jahren, gelingt das immer besser. Also ich denke schon, dass Schulmedizin und auch Naturheilmedizin auf Augenhöhe miteinander tätig sein können zum Wohl des Patienten."


Damit schloss sich der Kreis zu dem Eingangsstatement von Professor Caselmann, der betont hatte, dass das neue Staatsministerium für Gesundheit und Pflege "für eine umfassende medizinische Zuständigkeit und vor allem für eine menschliche Medizin für Jung und Alt" stehe. Und nach der Feststellung von Joachim Unterländer haben die Heilpraktiker "ganz unverzichtbar als eine Versorgungssäule unseres Gesundheitssystems zu gelten."

Christian Ullmann

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Naturheilverfahren in Europa

Europäisches Symposium zu „Legal Practice of CAM

Die Association for Natural Medicine in Europe e.V. (ANME) hatte zum 5. Europäischen Symposium mit dem Thema „Legale Ausübung der CAM (Komplementäre und Alternative Medizin)“ eingeladen, um die Entwicklung der letzten Jahre zu beurteilen.  Dazu trafen sich in Brüssel am 25./26. September 2013 Repräsentanten von Berufsorganisationen und Fachgesellschaften aus 10 europäischen Ländern.

Die Referentinnen und Referenten präsentierten die unterschiedlichen Regelungen ihrer Länder, wobei deutlich wurde, dass sowohl für die berufliche Ausübung als auch für einzelne Therapieverfahren der CAM ein gemeinsamer Regulierungsrahmen nicht vorhanden ist.

Des Weiteren nehmen die Forderungen nach Qualität und Sicherheit bezüglich der Ausübung von CAM zu und stellen eine große Herausforderung dar.
Das Ergebnis des vor einem Jahr vorgestellten Abschlussberichts des EU-Forschungsprojekts CAMbrella wurde somit in der Praxis bestätigt (www.cambrella.eu).
Zu diesem Thema referierte Prof. Vinjar Fönnebö (N), der als Forscher in CAM und präventiver Medizin an diesem EU-Projekt beteiligt war.

Erstmalig nahm an dem Symposium auch ein Vertreter aus der deutschen Heilpraktikerschaft teil. Unser Berufsverband hatte es ermöglicht, einen Referenten zu stellen, der vor europäischem Fachpublikum, einem Mitglied der EU-Kommission sowie Mitgliedern des Europäischen Parlamentes den Beruf des deutschen Heilpraktikers vorstellen konnte. Mit dem Thema „ Actual voluntary education for German Heilpraktiker“ legte er seinen Schwerpunkt auf die Grundlagen unseres Berufs und die in Eigenverantwortung getragene Ausbildung. Wie umfassend und qualitativ hochwertig diese von unserem Berufsverband angeboten wird, zeigte er am Modell unserer Berufsfachschule für Naturheilweisen >Josef-Angerer-Schule“.



Uwe Sieber, Heilpraktiker
Vortrag: „Actual voluntary education for German Heilpraktiker“
(Die freiwillige Ausbildung der Deutschen Heilpraktiker)

   

Lesen:


 
deutsch -> hier   Download
englisch -> hier   Download



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Editorial November 2013

Kampf gegen Homöopathie

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

"Edit-Wars" nennt man jene Bearbeitungskriege zu einzelnen Stichworten des Internet-Mitmachlexikons Wikipedia, die sich meistens interessengesteuerte Autoren liefern, um ihre Version durchzusetzen. Eine Forschergruppe des Oxford Internet Institutes und zweier Universitäten hat jetzt für verschiedene Sprachversionen jene Stichworte ermittelt, um die die heftigsten Edit-Wars geführt werden, und da steht "Homöopathie" in Deutschland  an vorderer Stelle, eingerahmt von "Burschenschaften" und "Adolf Hitler".

Aber der erbitterte Kampf gegen die vor mehr als 200 Jahren von Samuel Hahnemann geschaffene Heilmethode wird seit Jahren nicht nur in der Anonymität der Wikipedia-Autoren geführt, sondern in aller Offenheit und meist in Talkshows und Titelgeschichten von Medien mit großer Reichweite und ohne aktuellem Anlass von Nachrichtenwert.
So nutzte die als "Medizinexpertin" vorgestellte Stiftung-Warentest-Autorin und Mitglied der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) Krista Federspiel am 10. September ihren Auftritt bei Sandra Maischberger zu einem "Skurrilen Globuli-Selbsttest" wie Bild.de tags darauf kommentierte.
Sie hatte einige Fläschchen der Kügelchen mitgebracht und schluckte sie vor laufender Kamera. Und der studierte Mediziner und praktizierende Spaßmacher Eckart von Hirschhausen amüsierte die Diskussionsteilnehmer mit der Sottise, dass Homöopathie vielleicht auch gegen Pubertät helfe.
"Gegen die Globulisierung" konnte Hirschhausen eine Woche später in "Focus" eine Titelgeschichte über "Die Wahrheit über sanfte Medizin" anreichern, die sich als seichter Aufguss der Maischberger-Sendung präsentierte. Dort konnte man zwar abfällig lesen, dass die Grünen-Politikerin Birgitt Bender mehr staatliche Forschungsmittel zur Erforschung von Wirksamkeitsnachweisen komplementärmedizinischer Methoden forderte. Verschwiegen wurde jedoch, dass allein in den USA seit 2008 pro Jahr rund 125 Millionen Dollar vom National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) zur Erforschung von CAM-Disziplinen ausgegeben wird.
Das hätten die Focus-Autoren wissen müssen, denn das geht u.a. aus der Antwort der Bundesregierung vom 15. Juli 2013 auf eine "Kleine Anfrage der SPD-Fraktion" hervor.
Es muss erlaubt sein, aus solchen Verzerrungen mit dem Anspruch auf "die Wahrheit" auf die Zuverlässigkeit des Blattes insgesamt zu schließen.

Aber der verbissene Feldzug gegen die Homöopathie hält seit Jahren an. So forderte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach als Beitrag zur Kostensenkung im öffentlich-rechtlichen Gesundheitswesen: "Man sollte den Kassen schlicht verbieten, die Homöopathie zu bezahlen." Verschwiegen hatte Lauterbach indes, dass diese Erstattung ohnehin zu den extrem seltenen Ausnahmen gehört. Wie aus der bereits erwähnten Antwort der Bundesregierung hervorgeht, betrugen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen in diesem Bereich im Jahre 2012 insgesamt 98.105 Euro. Bei einem Gesamtaufwand im dreistelligen Milliardenbereich ein Bagatellbetrag, der kaum in Prozentanteilen beziffert werden kann. Trotzdem sieht sich Lauterbach nicht daran gehindert, bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Homöopathie-Erstattungsverbot zu fordern. Als Heilpraktiker muss uns das nicht weiter stören, weil unsere Leistungen und Verordnungen ohnehin von den GKV-Kassen nicht erstattet werden. Aber die verfälschenden Abqualifizierungen dieser seit vielen Jahrzehnten und in vielen Teilen der Welt bewährten Heilmethode treffen auch uns.

Wo gegen die Homöopathie angegangen wird, steht der inzwischen in den Ruhestand versetzte deutsch-britische Alternativmedizin-Experte Edzard Ernst an vorderster Stelle. Seine Polemik gipfelte im Dezember 2011 in der Behauptung, dass "kriminelle Homöopathie (den Apple-Unternehmer) Steve Jobs" getötet habe. Darüber hinaus behauptet er pauschal, dass "alternative Medizin unethisch und kriminell" sei, und Homöopathie sei "völlig unter-erforscht".
Dabei verschwieg Ernst geflissentlich, dass Jobs eine homöopathische Behandlung seines Pankreas-Krebses überhaupt nicht in Erwägung gezogen hatte, aber eine chirurgische Entfernung seines Tumors strikt ablehnte. Seinem Biographen sagte er: "Ich wollte nicht, dass mein Körper geöffnet wird; ich wollte nicht, auf diese Weise verletzt zu werden."

Spätestens jetzt stellt sich die Frage nach den Patientenrechten in einem demokratischen Rechtsstaat. Warum wollen Ärzte ohne Sachkunde in Homöopathie, Gesundheitspolitiker oder "Medizinjournalisten" (mit Vorbildung in Germanistik und Theaterwissenschaft wie Krista Federspiel) die Homöopathie insgesamt verbieten?
Warum wollen sie die Herstellung und den Vertrieb von homöopathischen Arzneimitteln erschweren, etwa mit dem Verbot der Angabe von Indikationen auf Beipackzetteln und in Fachinformationen oder durch Verbote von Erstattungen?
Warum wollen sie Patienten generell daran hindern, sich homöopathisch (oder anderweitig komplementär) behandeln zu lassen, selbst dann wenn schulmedizinische Behandlungen nicht die erhoffte Heilung oder Linderung bringen konnten?
Warum will man ihnen verwehren, nebenwirkungsarmen Behandlungsmethoden und Arzneimitteln den Vorzug zu geben?
Warum führt man Feldzüge gegenüber Behandlungsmethoden, die von rund 70 Prozent der Bevölkerung als günstig bewertet werden?
Der Partei "Bündnis 90/Die Grünen" hat man vorgehalten, die Wähler hätten sich die geforderten Einschränkungen ihrer persönlichen Lebensführung wie dem Vorschlag des "Veggie-Days" nicht mehr gefallen lassen. Die weithin angestrebten Bevormundungen im Bereich der naturgemäßen Behandlungen erscheinen weit einschneidender.  

Lange Zeit argumentierten die Homöopathie-Gegner, dass die Mittel nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen seien und etwa allergische Reaktionen provozieren könnten, obwohl sie dafür keinerlei Belege anführen können. Dieses Argument verliert jeden Rest von Glaubwürdigkeit, wenn man die Milchzucker-Kügelchen handvollweise bei Massendemonstrationen oder in vielbeachteten Fernsehsendungen schlucken kann.

Deshalb sehen die Homöopathie-Gegner die Gefährlichkeit zunehmend darin, dass "eigentlich wirksame" schulmedizinische Behandlungen dadurch hinausgezögert werden und somit – wie etwa bei Krebs oder anderen schweren Leiden – zu spät kommen.
Auch dafür fehlen die Beweise. Homöopathisch praktizierende Ärzte haben allesamt eine jahrelange Hochschulausbildung mit zahlreichen Kenntnisnachweisen bis hin zur Approbation. Die können ihr schulmedizinisches Wissen ja nicht schlagartig vergessen haben. Ähnliches gilt für uns Heilpraktiker/innen. Uns ist die Ausbildung zwar nicht vorgeschrieben; aber unsere Berufsausübung ist ohne breite Kenntnisse und Fähigkeiten auch in den schulmedizinischen Kernfächern wie Physiologie, Pathologe, Anatomie und anderen Disziplinen nicht möglich und sie müssen in schulmedizinisch geprägten Amtsarzt-Überprüfungen nachgewiesen werden. Und weder Arzt noch Heilpraktiker können auf eine gründliche Anamnese verzichten und im Falle der Homöopathie auf eine noch weitergehende Repertorisation.
Das bestreitet – in dem erwähnten Focus-Artikel – nicht einmal der Schweizer Homöopathie-Kritiker Beda Stadler, der einräumt: "Die Alternativheiler sind perfekt, wenn es um Zuwendung zum Patienten geht."
In Deutschland war der Pharma-Lobbyist in einer "Hart-aber-fair"-Talkshow mit der Forderung in Erscheinung getreten, die Verschreibungspflicht von Tamiflu aufzuheben, als schon längst bekannt war, dass dem Mittel die antivirale Wirkung, die ihm seine Hersteller bescheinigt haben, nicht zukommt, jedoch schwerwiegende Nebenwirkungen der Depression bis hin zur Suizidneigung.

Somit bleibt die Behauptung, homöopathische Arzneimittel seien ausschließlich Placebos und "die Homöopathie" auf Grund der vorhandenen Studien widerlegt. Dies hätten – laut Focus – die Arbeiten von vor allem zwei "Forschern" ergeben, von Edzard Ernst und dem an der Universität Bern arbeitenden Aijing Shang.
Diese Arbeit, die im Jahre 2005 in der britischen Fachzeitschrift Lancet "das Ende der Homöopathie einleitete, ist besser bekannt als "Egger-Studie", weil der Institutsleiter Matthias Egger an der Studie mitwirkte. Und Ernst habe "17 Auswertungen homöopathischer Studien analysiert". Sowohl Ernst als auch die Wissenschaftler um Shang und Egger haben mutmaßlich niemals als Ärzte homöopathische Behandlungen an Patienten durchgeführt.
Man sollte sie einmal auffordern, ihre Kenntnisse durch Repertorisation (oft auch "homöopathische Anamnese" genannt) nachzuweisen.
Die ausgewerteten Studien basieren meistens auf einzelnen Mitteln, vielleicht auf einigen wenigen. Über die Egger-Studie schrieb der Münchner Wissenschaftler Klaus Linde, der ebenfalls eine Metaanalyse in Lancet veröffentlicht hatte: „Die jetzige Diskussion hat ihre Wurzeln nicht zuletzt in den Problemen des Ansatzes der von Kollegen und mir 1997 vorgelegten Metaanalyse. In dieser haben wir Studien zusammengeworfen (‚gepoolt’), die man eigentlich auf keinen Fall zusammenwerfen sollte: zu Komplexmitteln und individueller Mittelverschreibung, zu Muskelkater und Migräne, mit einer Dauer von wenigen Tagen bis zu Jahren und mit völlig unterschiedlichen Zielkriterien. Wir haben die Studien dennoch gepoolt mit dem folgenden Argument: Wenn die häufig geäußerte Hypothese richtig ist, dass alle homöopathischen Interventionen lediglich Placeboeffekte haben, dann sollte – in methodisch sauberen Studien – kein Unterschied zwischen Verum und Placebo beobachtet werden, ganz gleich ob es um Grippe oder Krebs, klassische Homöopathie oder Komplexmittel geht.“

Wie ist es auf Grund solcher spezieller Einzeluntersuchungen möglich, die Widerlegung der Homöopathie pauschal zu behaupten? Niemand käme auf die Idee, auf Grund von Einzelergebnissen über Unwirksamkeit und Gefährlichkeit von synthetischen Arzneimitteln wie dem antiviralen Tamiflu, den Lipidsenkern und anderen "die Schulmedizin" als Ganzes in Frage zu stellen.

Entscheidend aber ist, dass beharrlich behauptet wird, es gebe außer der Wirksamkeit eines Medikaments und dem Placebo-Effekt keine weitere Möglichkeit. Allen Anfeindungen zum Trotz wurde mit Homöopathie in den mehr als 200 Jahren ihres Bestehens vielen Millionen Menschen geholfen, nicht nur in Europa und Nord- und Südamerika, sondern auch in Indien, wo die Homöopathie staatlich anerkannt und in einem eigenen Gesetz, dem Homoepathy Central Council Act, geregelt ist.
Dort werden etwa 50 homöopathische Forschungs- und Ausbildungszentren unterhalten. Und da maßen sich ganz wenige Menschen, deren Kerntruppe in diesem Editorial ziemlich erschöpfend namentlich erwähnt wird, an, allen diesen vielen Millionen Menschen, die als homöopathische Behandler und als Patienten gute Erfahrungen gemacht haben, kollektive Wahrnehmungsschwierigkeiten zu attestieren.

Neben den genannten beiden Alternativen gibt es mindestens eine dritte Möglichkeit: die Homöopathie wirkt – bei Anwendung lege artis. Es gibt aber für diese Wirksamkeit noch keine befriedigende wissenschaftliche Erklärung. Vielleicht sollte man hierfür unvoreingenommen Forschung betreiben und die Politik die Gelder dafür zur Verfügung stellen.

Herzlichst Ihre
Ursula Hilpert-Mühlig


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